Bundesgericht: Kein Knast für illegalen Viagra-Handel
Aktualisiert

BundesgerichtKein Knast für illegalen Viagra-Handel

Wer illegal mit dem Potenzmittel Viagra handelt, darf nicht wegen Gesundheitsgefährdung mit Gefängnis bestraft werden. Das Bundesgericht hat ein Urteil des St. Galler Kantonsgerichts aufgehoben und zur Neubeurteilung zurückgewiesen.

Ein Tennislehrer war 2007 vom Kantonsgericht St. Gallen wegen illegalem Viagra-Handel zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt worden. Das Gericht hatte den Mann des gewerbsmässigen Vergehens gegen das Heilmittelgesetz schuldig gesprochen.

Das höchste Schweizer Gericht beschäftigte sich erstmals mit illegalem Viagra-Handel. Es hiess die Beschwerde des heute 51- Jährigen teilweise gut und hob das St. Galler Urteil auf. Der Fall wurde zur Neubeurteilung ans Kantonsgericht zurückgewiesen.

Keine Gesundheitsgefährdung

Eine Verurteilung wegen Verstosses gegen das Heilmittelgesetz wäre nur möglich, wenn der Tennislehrer die Gesundheit seiner Kunden gefährdet hätte. Dies habe das St. Galler Gericht jedoch nicht geprüft, schreibt das Bundesgericht.

Die kleinen blauen Pillen seien nicht grundsätzlich gesundheitsgefährdend. Lediglich bei Risikogruppen, zum Beispiel Menschen mit Herzproblemen, könne die Einnahme von Viagra gesundheitliche Schäden verursachen.

Das St. Galler Gericht müsse nun prüfen, ob sich unter den wahllos belieferten Kunden des Tennislehrers solche Risikopatienten befunden hatten, schreibt das Bundesgericht.

Millionenumsatz mit Viagra

Dem Mann wird vorgeworfen, zwischen 1996 und 2002 für über vier Millionen Franken illegal Viagra und andere Potenzmittel umgesetzt zu haben. Er warb in Inseraten und im Internet für die Medikamente, die er in den USA einkaufte.

Der Tennislehrer soll mit den Pillen, die er per Post an seine Kunden verschickte, monatlich zwischen 20 000 und 30 000 Franken Reingewinn erwirtschaftet haben. Ausserdem soll der Mann mehrmals öffentlich in Boutiquen und anderen Geschäften masturbiert haben. (sda)

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