Aktualisiert 13.02.2009 09:03

DealKein Knast für neunjährigen Doppelmörder

Ein Deal vor Gericht soll einem unter Doppelmordverdacht stehenden neunjährigen Jungen in den USA eine Haftstrafe ersparen. Dem Kind sei eine Vereinbarung angeboten worden und es werde nicht ins Gefängnis geschickt, «das würden wir niemals tun», sagte sein Anwalt.

Einzelheiten zu dem Abkommen nannte Anwalt Benjamin Brewer am Donnerstag nicht; die Staatsanwaltschaft war zunächst nicht zu erreichen. Dem zur Tatzeit acht Jahre alten Jungen wird vorgeworfen, im November seinen Vater und dessen Arbeitskollegen mit einem Jagdgewehr erschossen zu haben. In einer Vernehmung gab der Junge die Schüsse zu. Brewer hält das Geständnis aber nicht für verwertbar, weil kein Elternteil oder Rechtsbeistand anwesend war. Ausserdem sagte der Junge bei der Polizei aus, dass seine Stiefmutter ihn am Abend vor der Tat fünfmal verhauen habe, weil er Papiere aus der Schule nicht nach Hause gebracht hatte. Laut Unterlagen der Staatsanwaltschaft hatte er auf einer Strichliste gezählt, wie oft er versohlt wurde, und geschworen, das 1000ste Mal solle das letzte Mal sein.

Die Polizei im US-Staat Arizona geht von einer geplanten Tat aus. Auf der Suche nach einem Motiv wird auch häusliche Gewalt oder Missbrauch nicht ausgeschlossen. Der Vater hatte das Sorgerecht für seinen Sohn, die Mutter des Jungen lebt in Mississippi.

In Arizona können schon Achtjährige für strafmündig erachtet und nach Erwachsenenstrafrecht angeklagt werden. Fachleute wenden dagegen ein, Kinder dieses Alters seien geistig noch längst nicht so weit und könnten zumeist die Endgültigkeit des Todes und die Konsequenzen des Tötens gar nicht erfassen. Wird der Junge von einem Jugendgericht verurteilt, könnte er bis zum Alter von 18 Jahren eingesperrt werden. Anwalt Brewer fürchtet, dass es nach Erwachsenenstrafrecht lebenslänglich sein könnte. (dapd)

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