Aktualisiert 15.03.2013 10:19

Lieber Phil Geld

Kein Militärdienst – dafür mehr Lohn?

Goran (25) muss keinen Militärdienst leisten. Folglich ist er einige Wochen pro Jahr länger am Arbeitsplatz als seine Kollegen, die Dienst leisten. Sollen die Schweizer Kollegen, die wegen des Militärs öfters weg sind, weniger verdienen?

Wer keinen Militärdienst leisten muss, kann das bei einem Bewerbungsgespräch selbt zur Sprache bringen und auf mehr Lohn hoffen.

Wer keinen Militärdienst leisten muss, kann das bei einem Bewerbungsgespräch selbt zur Sprache bringen und auf mehr Lohn hoffen.

Lieber Phil Geld

Ich bin ausländischer Staatsbürger mit einer Aufenthaltsbewilligung C. Darum muss ich in der Schweiz nicht ins Militär. Deshalb arbeite ich ja auch länger als jemand anders in meinem Alter, der ins Militär einrücken muss. Habe ich fairerweise nicht Anspruch auf mehr Lohn? Schliesslich bin ich ja fast einen Monat im Jahr länger arbeitstätig.

Lieber Goran

Militärdienst wird vom Gesetzgeber ähnlich behandelt wie etwa Krankheit, Unfall oder Schwangerschaft und Geburt. Die Überlegung dahinter ist, dass es unsozial wäre, dass jemand keinen Lohn erhält, wenn er unverschuldet von der Arbeit wegbleiben muss. In den Militärdienst geht man in der Regel «unverschuldet». Voraussetzung für die Lohnfortzahlung ist, dass das Arbeitsverhältnis mehr als drei Monate gedauert hat oder fest für mehr als drei Monate eingegangen ist. Genauer findest du das im Obligationenrecht (Art. 324a) ausformuliert.

Dein Militärdienst leistender Arbeitskollege erhält übrigens während der Dienstzeit in der Regel eine 80-prozentige Lohnentschädigung durch die sogenannte Erwerbsersatzordnung (EO).

Die EO ist eine Versicherung, die ähnlich wie die AHV aus Lohnprozenten (insgesamt 0,5 Prozent) finanziert wird, also auch von deinem Lohn abgezogen wird. Bei Angestellten überweist die Ausgleichskasse den Betrag direkt an den Arbeitgeber. Es ist also nicht so, dass der Militärdienst deines Kollegen voll zu Lasten deiner Firma ginge.

Rein finanziell ist die bestehende Regelung für wehrdienstpflichtige Angestellte auch für den Arbeitgeber fair. Dennoch bedeutet Militärdienst für die Firma immer auch zusätzlichen administrativen und manchmal auch finanziellen Aufwand. Aus Sicht des Arbeitgebers bist du also flexibler als dein Kollege, der regelmässig einrücken muss.

Die Lohnhöhe ist aber ein Verhandlungsergebnis. Darum solltest du beim nächsten Lohn- oder Vorstellungsgespräch erwähnen, dass du keinen Militärdienst leisten musst. Ein Arbeitgeber darf zwar nicht zugeben, dass er sich für einen Kandidaten entschieden oder einen höheren Lohn akzeptiert habe, weil dieser keinen Militärdienst leisten muss. Das wäre gemäss Obligationenrecht (Art. 328) ebenso diskriminierend wie eine Frau nicht einzustellen, weil sie schwanger werden könnte. Doch insgeheim kann das einen Entscheid sehr wohl beeinflussen.

Freundlich grüsst

Phil Geld

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