Milchpulver: Kein Nespresso mehr für George Clooney?
Aktualisiert

MilchpulverKein Nespresso mehr für George Clooney?

Seine Frau solle Druck auf Clooney ausüben, nicht mehr für Nestlé zu werben. Dies fordert eine NGO in einem Brief. Der Grund: Das umstrittene Babymilch-Marketing Nestlés.

von
Isabel Strassheim

Noch kurz vor seiner Hochzeit hat George Clooney in einer Villa am Comer See einen neuen Werbespot für Nespresso abgedreht. Wars umsonst? Denn die Organisation International Babyfood Action Network (IBFAN) fordert, der frischgebackene Ehemann solle seine Werbung für Nestlé einstellen. In einem Brief an Clooney und seine Frau, die Menschenrechtsanwältin Amal Alamuddin, will IBFAN auf die Kritik an der Vermarktung von Nestlé-Babymilch in Drittweltländern verweisen, die zum Tod von Säuglingen führe.

«Wir sind dabei, ein Schreiben vorzubereiten, worin wir an beide appellieren, sich für die Babys dieser Welt einzusetzen und Nestlé nicht weiterhin zu unterstützen», sagte Lida Lhotska von IBFAN zu 20 Minuten. Sie war am Mittwochabend zur Schweizer Premiere des Films «Tigers» ans Zurich Filmfestival gekommen. Ein Film, der bittere Vorwürfe gegen Nestlé wegen seiner Verkaufspraktiken von Babymilch in Pakistan erhebt. Der Streifen stiess zwar in Zürich zunächst auf wenig Interesse, könnte jedoch eine neue Diskussion über das Marketing des Weltkonzerns in diesem sensiblen Bereich auslösen.

Ein Whistleblower erzählt

Der oscarprämierte Regisseur Danis Tanovic zeigt weinende Mütter und ihre bis zur Unkenntlichkeit ausgemergelten und sterbenden Säuglinge in einer im vergangenen Jahr in einem Pakistaner Spital aufgenommenen Szene. Der Vorwurf: Statt ihre Kinder zu stillen, geben die Mütter, verführt durch aggressives Marketing, den Schoppen. Das mit schmutzigem Wasser angerührte Milchpulver ist der Grund für die tödliche Durchfallerkrankung der gezeigten Säuglinge.
 Vielerorts ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser ein Problem.


Das Besondere an dem Film ist, dass er die Geschichte eines ehemaligen Nestlé-Angestellten in Pakistan erzählt. Dem wohl einzigen Whistleblower aus dem Inneren des Konzerns, der von seinen Praktiken als Babymilch-Verkäufer bei Ärzten und Spitälern in Pakistan berichtet. «Die im Film gemachten Anschuldigungen entsprechen in keiner Weise der Realität», sagt eine Nestlé-Sprecherin 20 Minuten. «Die beschriebenen Ereignisse in Pakistan liegen Jahre zurück und stellen die Fakten über unser Aktivitäten stark verfälscht dar.»

In Toronto gross gefeierter Film

Das Kinderhilfswerk Unicef schätzt, dass vor allem durch Stillen anstelle von Flaschennahrung der Tod von mehr als 800'000 Kleinkindern in Entwicklungsländern verhindert werden könnte. Schon in den 70er-Jahren gab es einen Skandal um Babynahrung. Vor allem Nestlé wurde damals vorgeworfen, Mütter in Afrika davon zu überzeugen, dass Pulvermilch besser sei. «Tigers» klagt an, dass der Skandal anhalte, und zwar weltweit. Nestlé verweist dagegen auf seine strikten internen Richtlinien zur Beratung von Eltern, wie sie Säuglingsnahrung sicher zubereiten können.

Beim Internationalen Filmfestival in Toronto war «Tigers» gross gefeiert worden. Der Clou ist, dass er mögliche Rechtsklagen von Seiten Nestlés vorwegnimmt: In Einblendungen zeigt er immer wieder Diskussionen mit einem Anwalt über die mangelhaften Beweise für die Anschuldigungen durch den Whistleblower. «Die Beweiskette ist nicht wasserdicht», sagt etwa ein Jurist im Film.



George Clooney sah sich schon mehrmals harscher Kritik wegen seiner Nespresso-Werbung ausgesetzt.

 Unter anderem wurde ihm vorgeworfen, der Kapselkaffee sei ganz und gar nicht umweltverträglich.

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