Vor Gericht: Kein Pardon für brutalen Amokfahrer
Aktualisiert

Vor GerichtKein Pardon für brutalen Amokfahrer

Ein junger Autolenker ist in Rümlang absichtlich in eine Menschenmenge hineingerast und hat mehrere Personen zum Teil schwer verletzt. Das Obergericht lehnte eine Arbeitserziehung für den jungen Serben ab und wies diesen in eine geschlossene Psychotherapie ein.

von
Attila Szenogrady

Es war in der Nacht auf den 14. Mai 2006, als sich der heute 22-jährige Angeklagte in Rümlang im berüchtigten Albanerclub Rinora aufhielt und in den frühen Morgenstunden in einen Streit mit mehreren Sicherheitsleuten verwickelt wurde. Plötzlich stieg der junge Kickboxer in den Personenwagen eines Freundes ein und raste damit mit rund 60 km/h auf seine Gegner, aber auch auf unschuldige Discogäste los.

Opfer zehn Meter durch die Lüfte geschleudert

Laut Anklage gefährdete der Serbe nicht weniger als 40 Personen. Zwei Sicherheitsbeamte wurden von ihm angefahren und verletzt. Am schlimmsten erwischte es aber einen unschuldigen Gast. Der heute 43-jährige Kosovare wurde vom Fahrzeug frontal erfasst und zehn Meter weit durch die Luft geschleudert. Der Geschädigte erlitt neben einem Beckenbruch ein Schädel-Hirntrauma sowie weitere schwere Verletzungen. Der Amokfahrer wurde kurz darauf von der Polizei verhaftet.

Rückfall in der Arbeitserziehung

Der geständige Täter hatte zunächst Glück und wurde dank seines jungendlichen Alters vorzeitig in eine Massnahme für junge Erwachsene eingewiesen. Eine Chance, die der x-fach vorbestrafte Mann allerdings denkbar schlecht zu nutzen wusste. Er besuchte im Januar 2008 während eines Urlaubs ein Hallenfussball-Turnier in der Ostschweiz. Worauf er mehrere Spieler einer türkischen Mannschaft körperlich attackiert er und einem Kontrahenten mit einem Faustschlag den Kiefer brach.

Mildes Urteil in Dielsdorf

Die Massnahme wurde nach dem Vorfall unterbrochen. Der Angeklagte landete im Gefängnis. Allerdings hatte er im letzten Herbst ein zweites Mal Glück. Das Bezirksgericht Dielsdorf verurteilte ihn zwar infolge der Rümlanger Amokfahrt wegen mehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung sowie Lebensgefährdung zu einer hohen Freiheitsstrafe von neun Jahren. Allerdings schob es die Sanktion zugunsten einer Einweisung in eine Arbeitserziehung auf. Im Sinne einer letzten Chance. Ein Urteil, das die Staatsanwaltschaft herausforderte. Sie legte Berufung ein und verlangte am Mittwoch vor Obergericht eine Einweisung des Angeklagten in eine geschlossene Anstalt. In erster Linie wegen des hohen Rückfallrisikos.

Laut Verteidigung eine therapeutisch verschleierte Verwahrung

Der Verteidiger wehrte sich gegen den Antrag der Anklage und sprach von einer therapeutisch verschleierten Verwahrung. Dabei kritisierte er auch die negativen Prognosen eines Gutachtens. Der Rechtsanwalt zitierte Erich Kästner, wonach das Leben immer lebensgefährlich sei. Eine engmaschige pädagogische Betreuung des Angeklagten wäre viel sinnvoller, plädierte er.

Letzte Chance bereits vertan

Die Oberrichter kannten aber kein Pardon. Der Angeklagte habe seine letzte Chance bereits vertan, erklärten sie und setzten eine stationäre Massnahme fest. Was bedeutet, dass der Angeklagte die nächsten Jahre in einer geschlossenen Abteilung verbringen soll. Die Länge der Sanktion hängt dann von den zuständigen Aerzten ab. Einer der Oberrichter hielt auch klipp und klar fest, dass bei einem nächsten Rückfall die Verwahrung des Angeschuldigten erfolgen werde.

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