Winterthur: Kein Pardon für «Drogenbaron»
Aktualisiert

WinterthurKein Pardon für «Drogenbaron»

Das Obergericht hat einen reichen Hotelunternehmer aus Nigeria wegen eines schwunghaften Kokainhandels zu einer hohen Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt. Allerdings in unentschuldigter Abwesenheit des Politikers.

von
Attila Szenogrady

Der heute 45-jährige Angeklagte hat als so genannter «Drogenbaron von Winterthur» landesweit für Schlagzeilen gesorgt. So hat der mehrfach einschlägig vorbestrafte Nigerianer immer wieder grössere Kokainlieferungen nach Winterthur organisiert und dabei als Drahtzieher ein Vermögen in Millionenhöhe verdient. Fest steht, dass er einen Grossteil des illegalen Gewinns in seiner Heimat anlegte. So liess er in Lagos eine luxuriöse Privatvilla bauen und erwarb mehrere Hotels. Zudem stieg er in die Politik ein, indem er für die nationalen Parlamentswahlen kandidierte und mit den Drogengeldern seinen Wahlkampf finanzierte.

14 Jahre Freiheitsentzug verlangt

In Winterthur sicherte sich der Angeklagte dank der Heirat mit einer Schweizerin den legalen Aufenthalt. Allerdings hatte er im Juli 2006 Pech. Er wurde von der Polizei erwischt, wie er in einer Tiefgarage an der Wülflingerstrasse einen parkierten Personenwagen mit über 6,4 Kilogramm Kokain und mit Bargeld für über 48 000 Franken belud.

Es folgte eine längere Strafuntersuchung, die im Mai 2008 in einer Anklage mit einem hohen Strafantrag von 14 Jahren Freiheitsentzug mündete. Als der Fall im letzten November das Bezirksgericht Winterthur beschäftigte, war der Angeschuldigte allerdings nicht mehr in der Schweiz. Er hatte sich nach seiner bedingten Haftentlassung im Herbst 2007 in seine Heimat abgesetzt und damit seine Frau sowie seine Tochter verlassen.

Zwei Prozesse «geschwänzt»

Die Rückkehr nach Nigeria bewahrte den Drogendealer vor einem weiteren, längeren Aufenthalt im Gefängnis. So wurde er bereits vom Bezirksgericht Winterthur in unentschuldigter Abwesenheit wegen Drogenhandels und Geldwäscherei zu einer hohen Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren sowie 5000 Franken Busse verurteilt.

Der Angeklagte legte über seinen Schweizer Verteidiger Berufung ein, «schwänzte» aber auch den Berufungsprozess im letzten Juli.

Vergeblich Strafsenkung gefordert

Der Rechtsanwalt des Drogenbarons verlangte nicht nur diverse Freisprüche, sondern auch eine massive Strafreduktion auf noch maximal vier Jahre Freiheitsentzug. Ohne Erfolg, wie nun das Obergericht mitteilte. Es bestätigte das Winterthurer Urteil umfassend. Nicht nur die hohe Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren, sondern auch die finanziellen Folgen. So soll der Drogenhändler aus dem unrechtmässig erlangten Vermögensvorteil 30 000 Franken dem Staat abliefern. Zudem soll er die Winterthurer Gerichtsgebühr von über 160 000 Franken sowie die Berufungskosten von 10 000 Franken tragen. Nicht zuletzt liess das Obergericht die sichergestellten Bargeldbeträge für über 48 000 Franken beschlagnahmen.

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