40 Monate Knast: Kein Pardon für Kriminaltouristin
Aktualisiert

40 Monate KnastKein Pardon für Kriminaltouristin

Zusammen mit drei Landsleuten hat eine rumänische Profidiebin Bargeld und Waren für rund 128 000 Franken gestohlen. Die Frau schlug auch in Lachen und Rapperswil zu.

von
Attila Szenogrady

Es war am 14. Mai 2010, als die Bande am helllichten Tag beim Oberseecenter in Lachen auftauchte. Einer der Diebe lenkte eine 36-jährige Frau aus Lachen ab. Worauf ein anderer Täter ihr Portemonnaie aus ihrer Handtasche fischte. Die Langfinger hatten Glück, da sie auch den PIN-Code der Geschädigten fanden. Kurz darauf konnten sie ihr UBS-Bankkonto plündern und rund 6000 Franken erbeuten. Nur sechs Wochen später schlugen die Rumänen erneut beim Oberseecenter zu. Diesmal fiel ihnen eine heute 68-jährige Seniorin aus Lachen zum Opfer. Wiederum sahen es die Kriminaltouristen auf das Portemonnaie ab und konnten nach zwei Bankbezügen 9 600 Franken für sich einstecken. Eine Woche später schlugen sie in Pfäffikon (SZ) zu, wo sie eine Passantin um 2 800 Franken erleichterten.

Ansehnliche Beute

Am 20. Januar 2011 konnten die Fahnder endlich einen Erfolg vermelden und ein Mitglied der Bande dingfest machen. Es handelte sich um eine heute 38-jährige Hausfrau aus Rumänien. Die Ermittlungen ergaben, dass sie bereits mehrere einschlägige Vorstrafen in Italien und in ihrer Heimat auf dem Kerbholz hatte. Die überführte Diebin legte ein umfassendes Geständnis ab.

Die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl erhob im letzten Juli Anklage und lastete der Beschuldigten mindestens 22 Trick-Diebstähle mit einer ansehnlichen Beute für über 128 000 Franken an. Die Frau soll vor allem als sogenannte Abschirmerin der Diebstähle gedient haben. Am meisten war sie im Zürichseegebiet aktiv. So auch in Rapperswil, Wädenswil oder Horgen. Die Deliktsserie setzte bereits im Oktober 2009 ein.

Nicht nur eine Gehilfin

Die Staatsanwaltschaft verlangte wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls eine unbedingte Freiheitstrafe von dreieinhalb Jahren. Der zuständige Staatsanwalt Peter Mucklenbeck sprach von einem eingespielten Team und dass die Beschuldigte wie die Deutsche Bundesbahn von Bancomat zu Bancomat gerast sei.

Der Verteidiger Marc Engler stufte seine Mandantin dagegen bloss als Gehilfin ein. Sie habe auch jeweils nur einen lächerlichen Deliktserlös von ihren Chefs erhalten. Deswegen sei wegen Gehilfenschaft eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 12 Monate angemessen. Die Hälfte davon auf Bewährung. Damit verlangte Engler die sofortige Haftentlassung seiner Klientin.

Allerdings ohne Erfolg. Das Gericht ging nicht nur von einer Gehilfin aus, sondern von einer raffinierten und aktiven Mittäterin aus. Es verurteilte die Kriminaltouristin aufgrund des erheblichen Verschuldens zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 40 Monaten. Die Angeklagte hatte während ihres Schlusswortes vergeblich bittere Tränen vergossen und ihre sofortige Freilassung verlangt.

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