Chur GR: Kein Pardon für notorischen Hochstapler
Aktualisiert

Chur GRKein Pardon für notorischen Hochstapler

Ein langjähriger Profibetrüger aus hat erneut zugeschlagen und mehrere Geschäftsleute mit um insgesamt 155 000 Franken gebracht. Nun muss der Rückfalltäter für dreieinhalb Jahre hinter Gitter.

von
Atilla Szenogrady

Der Angeschuldigte kam 1963 als Flüchtlingskind aus dem Tibet in die Schweiz und wuchs im Kanton Graubünden auf. Seine Kindheit verlief noch normal. Nach der Schulzeit schloss er eine Malerlehre ab. Fest steht, dass er bereits vor 25 Jahren plötzlich auf die schiefe Bahn geriet. So betätigte sich der Asiate wiederholt als skrupelloser Betrüger und handelte sich die ersten Vorstrafen ein. Ohne abschreckende Wirkung. Nach jeder Haftentlassung wurde der begnadete Hochstapler wieder rückfällig und ging vor allem immer dreister vor.

Gediegenes Auftreten

Am Montag stand der heute 52-jährige Beschuldigte vor dem Zürcher Obergericht. Direkt aus der Haft zugeführt, legte der Mann zu den neusten Vorwürfen ein umfassendes Geständnis ab. Demnach hatte er in den letzten drei Jahren mehrere seriöse Schweizer Geschäftsleute um rund 155 000 Franken betrogen. Dabei ging der Täter jeweils raffiniert vor und stellte den Opfern Kredite oder Darlehen bis zu 3,1 Millionen Franken in Aussicht. Er blendete die Geschädigten mit einem gediegenen Auftreten als angeblich erfolgreicher Immobilienhändler und traf sich mit ihnen in teuren Luxus-Restaurants. Dabei brachte er es fertig, seine Geschäftspartner zu Vorauszahlungen von bis zu 60 000 Franken zu bewegen.

Mit 60 000 Franken davon gerannt

Der Hauptvorwurf ging auf den Sommer 2009 zurück. Damals traf sich der Beschuldigte mit einem Thurgauer Bauunternehmer im Zürcher Edellokal Baur au Lac, wo er eine Vorauszahlung von 60 000 Franken entgegennahm. Dann fuhren beide Männer mit dem Auto des Opfers nach Liechtenstein, wo der Thurgauer ein Darlehen von über einer halben Million Franken erhalten sollte. Doch in Vaduz folgte die böse Überraschung. Der Angeklagte sprang in einer Tiefgarage plötzlich aus dem Auto und rannte mit den 60 000 Franken davon.

Opfermitverantwortung geltend gemacht

Auf ähnliche Weise führte der Churer auch einen Zürcher Bettenunternehmer sowie einen Luzerner Hotelier hinters Licht. So wie einen Geschäftsmann, der in einem Café in Vaduz dem Beschuldigten eine Aktenmappe mit 20 000 Franken anvertraut hatte. Auf Nimmerwiedersehen. Der Verteidiger machte vor Obergericht auf die Opfermitverantwortung aufmerksam. Die Geschädigten hätten zu leichtfertig gehandelt, weshalb infolge fehlender Arglist kein Betrug vorliege, plädierte er. Wegen unrechtmässiger Aneignung sowie Diebstahls sei höchstens eine unbedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten angemessen.

Kein Pardon

Das Obergericht kannte aber kein Pardon und ging aufgrund der Lügengebäude des Angeklagten von einem gewerbsmässigen Betrug aus. Es bestätigte ein erstinstanzliches Urteil des Bezirksgerichts Zürich, das den Churer bereits im letzten Sommer mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 42 Monaten belegt hatte. Das Obergericht stufte diese Sanktion im Hinblick auf sechs einschlägige Vorstrafen als durchaus vertretbar ein. Zudem kam heraus, dass der Beschuldigte nach der Haftverbüssung an das Fürstentum Liechtenstein ausgeliefert wird. Auch dort soll der Hochstapler sein Unwesen getrieben haben und muss mit einer weiteren Freiheitsstrafe rechnen.

Deine Meinung