Aktualisiert 09.08.2011 12:31

ErziehungsmassnahmenKein Prozess für Berner Gymi-Schüler

Die Schüler, die in Berlin ein Pärchen überfallen haben, werden von der Justiz nicht belangt. Nun geraten die Disziplinarstrafen der Schule in die Kritik.

von
job
Tatort: Belforter Strasse, Prenzlauer Berg. (Foto: Gooogle Maps)

Tatort: Belforter Strasse, Prenzlauer Berg. (Foto: Gooogle Maps)

Im Februar überfielen vier Berner Gymischüler auf einer Klassenreise in Berlin ein Pärchen. Sie nahmen der Frau Handy und Portemonnaie ab und verletzten den Mann leicht. Nun hat die Berliner Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen sie eingestellt. Da die Schule bereits strenge erzieherische Massnahmen eingeleitet habe, verzichte man auf eine strafrechtliche Verfolgung, sagt die Berliner Justizsprecherin Simone Herberth gegenüber der «Berner Zeitung». Im Jugendstrafrecht stehe der Erziehungsgedanken im Vordergrund, begründet Herberth.

Die erzieherischen Massnahmen des Gymnasiums Köniz-Lerbermatt bei Bern hatten es in sich: Unmittelbar nach der Tat schloss die Schulpflege die vier tatverdächtigen Schüler, die kurz vor der Matur standen, für zwölf Wochen vom Unterricht aus. In drei Fällen wurde die Strafe später auf acht und vier Wochen verkürzt. Trotzdem schaffte nur einer der vier Schüler die Maturaprüfung.

Der Anwalt eines der Gymnasiasten erhebt in der «BZ» nun Vorwürfe gegen die Schulkommission, welche die Strafe verhängte. Die Kommission habe die Unschuldsvermutung kaum gewichtet und eine strenge Strafe gesprochen, bevor alle Fakten bekannt gewesen seien. Der Präsident der Schulkommission, Marcel Wyler, betont, dass die schuldisziplinarische Massnahme unabhängig vom Verfahren in Berlin getroffen worden sei. Für künftige Fälle müsse man jedoch die Zuständigkeiten klären. Der Berner Erziehungsdirektor Bernhard Pulver hält die Strafen für «zünftig, aber vertretbar».

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