Aktualisiert 27.09.2005 09:43

Kein Prozess um Fötuskopf

Die Ausstellung des Kunstwerkes «Ruan» im Berner Kunstmuseum, das eine Möwe mit einem Fötuskopf zeigt, hat kein gerichtliches Nachspiel.

Das zuständige Untersuchungsrichteramt und die Staatsanwaltschaft III Bern-Mittelland sind auf eine Anzeige gegen das Kunstmuseum Bern nicht eingetreten, wie sie am Dienstag bekannt gaben.

Die Strafverfolgungsbehörden sind nach eingehender Prüfung aller in Frage stehenden Straftatbestände übereinstimmend zum Schluss gelangt, dass keine in der Schweiz strafbaren Handlungen begangen worden sind. Verschiedene der zur Anzeige gebrachten Handlungen hätten ausschliesslich in China stattgefunden und unterlägen somit von vorneherein nicht der Strafverfolgung und Beurteilung durch die schweizerische Strafjustiz. Zur Diskussion standen namentlich die Tatbestände der Störung des Totenfriedens, der Gewaltdarstellung und Verstösse gegen das Tierschutzgesetz.

Die Möwe mit Fötus-Kopf des chinesischen Künstlers Xiao Yu war nach einer öffentlichen Kontroverse vorübergehend aus der Ausstellung im Kunstmuseum entfernt worden, wurde aber später in einem separatem Raum wieder ausgestellt. Das Kunstmuseum Bern stützt seinen Entscheid zur Wiederausstellung des Objektes auf eine Expertenempfehlung. Das Werk werde nun in einem Kontext gezeigt, der die Sensibilität der Besucher respektiere.

«Ruan» zeigt ein in Formalin schwimmendes Zwitterwesen. Auf den teilweise entfiederten Körper einer geköpften Möwe wurde mit groben Stichen ein echter Fötuskopf angenäht, auf dem wiederum Hasenaugen angenäht sind. Dagegen hatte der Walliser Historiker und Journalist Adrien de Riedmatten eine Strafanzeige gegen das Kunstmuseum, den Sammler Uli Sigg und den chinesischen Künstler selbst eingereicht. Das Exponat war während der Kunstbiennale in Venedig ein halbes Jahr gezeigt worden, ohne Wellen zu werfen. Der Künstler Xiao Yu ist bekannt für schockierende Darstellungen. So liess er unter anderem lebende Labormäuse an den Hüften zusammennähen und stellte sie in Glasschalen aus. (dapd)

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