Aktualisiert 23.12.2011 10:02

Baumschule des Lebens

Kein rechter Christbaum ohne Shropshire-Schaf

Was braucht es für die Aufzucht eines veritablen Weihnachtsbaums? Viel Zeit, einen Zaun, eine Sitzstange für Vögel und die liebevolle Pflege wollener Unkrautvernichter.

Tannenbäume stehen nicht auf dem Speiseplan der Shropshire-Schafe (links). Deshalb spielen sie eine zentrale Rolle bei der Aufzucht von Christbäumen.

Tannenbäume stehen nicht auf dem Speiseplan der Shropshire-Schafe (links). Deshalb spielen sie eine zentrale Rolle bei der Aufzucht von Christbäumen.

Die Aufzucht eines währschaften Christbaums dauert ihre sechs bis acht Jahre. Der Forstwirt muss viel Arbeit hineinstecken und einige Hindernisse überwinden. Zuerst gilt es Unkraut zu bekämpfen, später gefrässige Nager. Hilfreich sind dabei Schafe.

Was als veritabler Weihnachtsschmuck in der guten Stube stehen soll, startet seine Karriere als zehn bis 15 Zentimeter grosser Schössling. Wie Philipp Gut von der Interessengemeinschaft Suisse Christbaum zu berichten weiss, beginnt damit ein mindestens zweijähriger Kampf gegen das Unkraut, welches dem Jungbaum das Licht stehlen will. Diesen Kreuzzug führen die Baumzüchter von Hand und mit der Mähmaschine, durch Herbizide oder mit ganz speziellen Schafen.

Vögel, Mäuse, Wild: Alle können dem Christbaum schaden

Hat der angehende Christbaum die kritische erste Phase nach zwei Jahren überstanden, droht Ungemach von den Mäusen, welche sich an den Wurzeln gütlich tun wollen. Zudem brauchen die Bäumchen nun einen Zaun, der sie vor dem Verbiss durch Wild schützt.

Neben allen meteorologischen Gefahren hält der Himmel zu alledem noch die Vögel bereit. Um zu verhindern, dass diese durch Sitzen auf der Spitze den geraden Wuchs verbiegen, stellt ihnen die Baumschule eine Sitzstange just unter dem Wipfel des wachsenden Baums zur Verfügung.

Stolz, edel, aufrecht und buschig

Überhaupt der Wuchs: Dieser bedarf einigen Hätschelns seitens des Weihnachtsbaumzüchters. Wachsen die Äste einseitig, werden sie sorgfältig mittels Drähten auf die andere Seite hin gezogen, wie Gut erklärt.

Der ausgeglichene und edle Wuchs bestimmt schliesslich über drei Qualitätskategorien auch den Preis. Die erste Kategorie umfasst Tannen mit reichem und gleichmässigem Astwerk. In der zweiten Kategorie zeigen die Nadelbäume fehlende Äste und sind allgemein weniger voluminös.

In die dritte Kategorie fallen Bäumchen mit zwei Wipfeln und ähnlichen Fehlbildungen. Sie werden meist astweise verkauft.

Lässt eine Baumschule der Natur freien Lauf, kann sie 40 bis 60 Prozent der Tännlein als erste Qualität verkaufen, also bis zu einem Drittel teurer als Bäume der zweiten Qualität. Bei aufgewendeter Sorgfalt steigt der Anteil an Erst-Klass-Bäumen auf 90 Prozent.

Mit Shropshire-Schafen gegen das Unkraut

Unkraut und allerlei niederes Gewächs sind den Baumschulen ein Gräuel. Jäten und Mähen sind mühsam, dem Herbizid-Einsatz setzt der Umweltschutz Grenzen. Eine schlaue Alternative bietet hier das Schaf. Tauglich als biologische Waffe wider den Wildwuchs ist aber nur eine ganz spezielle Rasse - jene von Shropshire.

Als einzige unter rund 800 Schafrassen lassen ihre Angehörigen Tannen links liegen. Zudem bleibt Shropshire-Wolle nicht in den Nadeln hängen - Engelshaar will schliesslich der Käufer selber anbringen. Verbreitung finden die Shropshire-Schafe vorerst hauptsächlich in der Deutschschweiz bei 50 bis 60 Christbaumproduzenten. Diese halten rund 3000 Exemplare.

Einer von ihnen ist Paul Wälchli aus Oschwand BE. Seine Herde umfasst heute 150 Tiere. Zu Anfang musste er allerdings Lehrgeld zahlen, wie er sich erinnert. Auch wenn sich die Shropshire-Schafe grundsätzlich nicht an Tannen und ihren Schösslingen vergreifen - vor dem Hungertod tun sie es doch. Wenn dem Tier gewisse Minerale fehlen, es Verdauungsstörungen oder Würmer hat, mag es auch einmal an einem Tännchen knabbern. Mit Zusatzfutter und Gesundheitsvorsorge lässt sich das aber kontrollieren.

Allerdings sind die Wolltiere auch leicht irritierbar: Stören sie Hunde und Passanten oder ist ein Hammel in Hitze, greifen sie auch schon einmal an. Christbaumzüchter Wälchli lässt dessen ungeachtet seine zwölf Hektaren Baumschule von Schafszähnen mähen. (sda)

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