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NobelpreisKein Risiko beim Nobelpreis

Es war die Sensation des vergangenen Herbstes: US-Präsident Barack Obama erhielt nach gerade einmal neun Monaten im Amt den Friedensnobelpreis. Dieses Jahr wirds anders kommen.

von
K. Ritter/B. H. Amland
AP
Oslo war vor einem knappen Jahr im Obama-Fieber.

Oslo war vor einem knappen Jahr im Obama-Fieber.

Experten schätzen, dass der diesjährige Preisträger, der am kommenden Freitag bekannt gegeben wird, wohl kaum so ein gewaltiges Echo auslösen dürfte wie der letztjährige Preisträger Barack Obama.

Nach Ansicht von Kristian Berg Harpviken liegt das vor allem am Nobelpreis-Kommitee selbst. Er glaube nicht, dass man ein ähnlich hohes Risiko wie im vergangenen Jahr eingehen werde, sagt Harpviken, Direktor des Osloer Friedensforschungsinstituts. Damals waren sich viele Kritiker einig, dass Obama den Preis für seine Bemühungen, zwischen dem Westen und der muslimischen Welt zu vermitteln, zu früh erhalten hatte.

Ganz vorne sehen die Experten in diesem Jahr den inhaftierten chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo und die russische Menschenrechtsaktivistin Swetlana Gannuschkina. Für Harpviken, dessen Institut traditionell über die Preisträger spekuliert, ist hingegen die Frauenrechtlerin und Vorsitzende der afghanischen Menschenrechtskommission, Sima Samar, ein ganz heisser Tipp. Für aussichtsreich hält er auch den von Exilbirmanen in Norwegen betriebene Radiosender Demokratische Stimme Birmas (Democratic Voice of Burma, DVB) und den 2002 gegründeten Sondergerichtshof im vom Bürgerkrieg zerrütteten Sierra Leone. Das Friedensforschungsinstitut hat nach eigenen Angaben keinerlei Insider-Informationen über die Entscheidungen des Nobelpreis-Kommitees, wies in der Vergangenheit aber eine beachtliche Bilanz auf, wenn es darum ging, die möglichen Preisträger vorherzusagen.

Literaturnobelpreisträger steht schon fest

Bevor der Träger des diesjährigen Friedensnobelpreises am Freitag in Oslo bekannt gegeben wird, stehen zunächst die Gewinner für Medizin, Physik, Chemie und Literatur auf dem Programm. Der Preisträger für Wirtschaft wird erst am 11. Oktober verkündet.

Tatsächlich stehe der Literaturnobelpreisträger bereits fest, sagt Juror Peter Englund, ohne Details zu nennen. Immer wieder wurde dem Gremium vorgeworfen zu eurozentristisch zu sein, kamen doch die meisten Ausgezeichneten der jüngeren Vergangenheit aus Europa. Englund räumt ein, dass das aus einer «unterbewussten Voreingenommenheit» resultieren könnte, weil es für die Mitglieder des Vergabegremiums einfacher sei, sich selbst in Beziehung zu europäischen Autoren zu setzen. «Das ist ein Problem, aber wir sind uns dessen bewusst», sagt Englund.

Sollte die Jury in diesem Jahr über Europa hinaus schauen, wären der Südkoreaner Ko Un, der Algerier Assia Dscheba oder Amos Oz aus Israel aussichtsreiche Kandidaten. Unter den US-Literaten gelten weiterhin vor allem Philip Roth, Thomas Pynchon, Joyce Carol Oates und Don DeLillo als besonders aussichtsreich. Und sollte die Wahl doch wieder auf einen Europäer fallen, wären der Albaner Ismail Kadare und der Schwede Tomas Transtromes mögliche Optionen.

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