Baustopp in Masdar City: Kein Schweizer Dörfli in der Wüste?
Aktualisiert

Baustopp in Masdar CityKein Schweizer Dörfli in der Wüste?

Die Vision der Wüstenstadt ohne Müllberge und schädliche Treibhausgase ist ins Stocken geraten. Der Sultan hat der Öko-Stadt am Golf den Stecker rausgezogen. Gefährdet ist auch das Swiss Village in Masdar - es hätte Millionenaufträge in die Schweiz bringen sollen.

von
Sandro Spaeth

Auch einer der reichsten Staaten der Welt hat finanzielle Limiten. Das ölreiche Golfemirat Abu Dhabi hat den Bau der Ökostadt Masdar City gestoppt. Seit vier Jahren bauen die Wüstensöhne 30 Kilometer ausserhalb ihrer Metropole die Stadt der Zukunft. Masdar City soll trotz 50 000 Einwohnern zur Null-Emissions-Stadt werden, die sich selbst mit Wasser und grüner Energie versorgt. Entworfen hat das ehrgeizige und 22 Milliarden Dollar teure Projekt der Stararchitekt Norman Foster.

Befristeter Baustopp

Nun ist das Geld aber auch im Emirat knapp geworden. Ende 2009 konnte Abu Dhabi dem Nachbarn Dubai mit 26 Milliarden Dollar unter die Arme greifen – fürs eigene Prestigeprojekt scheinen die Mittel aber nicht mehr zu fliessen: Der Chef des Staatskonzerns Masdar, Sultan Al Jahr, hat den Planern von Masdar City eine Pause von sechs bis acht Wochen verordnet. Grund: Die Stadt soll auf die finanzielle Machbarkeit überprüft werden.

In Arabischen Medien gehen derweil die Wogen hoch: Das Platzen der Immobilienblase in Dubai bedrohe das Megaprojekt. Ein Sprecher des Masdar-Konzerns bezeichnete diese Befürchtung als völlig unbegründet und dementierte die Gerüchte, dass die Projektträger finanziell mit dem Rücken zur Wand stünden. Es gebe nur eine Änderung: Die Stadt werde nicht wie anfänglich geplant bereits im Jahr 2016, sondern erst 2020 fertig gestellt.

Swiss Village: Prinzip Hoffnung

Grosse Hoffnungen setzten Schweizer Unternehmen auf Masdar City. In der Ökostadt soll ein Swiss Village entstehen, das Schweizer Firmen als Tor zu den Märkten in der Golfregion dient. Bei der Swiss Village Association, die nach Firmen sucht, welche sich im Schweizer Dorf ansiedeln wollen, ist man ob der Meldung über den Projektstopp nicht beunruhigt: «Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt keine offiziellen Informationen», sagt Sprecher Thomas Balmer. Es gehe nun darum, die teilweise widersprüchlichen Angaben zu verifizieren. Balmer ist überzeugt, dass das Projekt Masdar City und auch das Swiss Village weitergeht.

Die Swiss Village Association ist in die Planung des helvetischen Dorfes in der Wüste involviert. «Wir konnten beispielsweise bei der Auswahl der Architekten mitwirken, um dem Dorf auch tatsächlich einen Schweizer Anstrich zu geben. Laut Balmer haben die Arbeiten vor Ort noch gar nicht begonnen: «Derzeit ist erst die ans Swiss Village grenzende Zone im Bau», so Balmer.

Was macht Implenia?

Bisher hat die Swiss Village Association laut Balmer für die Planung erst einen überschaubaren Betrag ausgegeben. «Die Risiken sind klein. Das Potenzial von Masdar City ist dagegen riesig.» Die Organisation finanziert sich über Mitglieder und Sponsoren, die einen Beitrag von 1000 bis 50 000 Franken zahlen. Mit dabei sind auch Swiss Re oder der Baukonzern Implenia, welcher die Projektleitung innehat. Auf Nachfrage von 20 Minunten Online konnte Implenia aber noch keine Angaben zu den Auswirkungen machen.

Osec weiss nichts vom Baustopp

Dem Swiss Village zum Durchbruch verhelfen, will der Schweizer Aussenwirtschaftsförderer Osec. «Das Swiss Village ist einer von verschiedenen Pfeilern unserer Stabilisierungs- und Fördermassnahmen für den Export, die wir im Auftrag des Bundes umsetzen», sagt Osec-Sprecher Patrick Djizmedjian. Das Auftragspotential fürs Swiss Village betrage mehrere hundert Millionen Franken. Zum Baustopp äussern möchte sich die Osec nicht. «Es hat zwar einen Wechsel in der Projektführung von Masdar City gegeben, dass das Projekt aber tatsächlich gestoppt wird, ist unseren Informationen zufolge nicht richtig», so Djizmedjian. Laut dem Sprecher haben weder Osec noch der Verein Swiss Village Informationen seitens Masdar bezüglich eines Baustopps. Der neue Masdar-CEO wolle den Masterplan sorgfältig prüfen und bis dahin mit keinen neuen Bauvorhaben beginnen.

Masdar – die Quelle

Dass in der Zukunftsstadt einiges schief läuft, berichteten arabische Medien schon mehrmals. In den Chefetagen – diese Woche verliessen Masdar zwei Direktoren - habe sich mehr getan als auf der Baustelle. Auf dem Gelände von Masdar City hätte es seit vergangenem Sommer kaum Fortschritte gegeben. Zudem hätten Bauunternehmer schon vor Monaten Angebote für den Bau von Büroräumen und Wohnungen abgegeben, Aufträge seien aber nie erteilt worden. Das arabische Wort Masdar bedeutet soviel wie Quelle. Ist diese etwa schon versiegt?

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