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Kein Sieger in Runde eins der Präsidentenwahl

Die erste Runde der italienischen Präsidentenwahl hat am Montag wie erwartet keinen Gewinner hervorgebracht. Die beiden grossen politischen Blöcke des Landes hatten sich nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen können.

369 Stimmen entfielen am Montagabend auf Gianni Letta, den Kandidaten der Mitte-rechts-Koalition des scheidenden Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Der 71-jährige Letta war der engste Mitarbeiter Berlusconis in der vergangenen Legislatur.

Das Mitte-links-Bündnis des künftigen Regierungschefs Romano Prodi hatte sich dagegen zuvor geeinigt, leere Stimmzettel abzugeben.

Damit wollten sie verhindern, dass ihr Kandidat Giorgio Napolitano - ein 80-jähriger Senator auf Lebenszeit - wie der Kandidat nur eines Lagers erscheint. 438 leere Stimmzettel wurden abgegeben. Insgesamt beteiligten sich 984 von 1009 Stimmberechtigten an der ersten Runde.

Wer neuer Staatspräsident wird, dürfte erst am Mittwoch feststehen, wenn im vierten Wahlgang die absolute Mehrheit ausreicht. In den ersten drei Wahlgängen ist jeweils eine Zwei- Drittel-Mehrheit notwendig.

Linke wählt eigenen Kandidaten nicht

Die symbolische Stimmenthaltung im ersten Wahlgang sei ein «Signal der Öffnung» hin zum Rechtsbündnis, sagte Prodi. Die Linke wolle damit zeigen, dass sie weiterhin für einen Dialog mit der Rechten über einen Kompromisskandidaten für das höchste Staatsamt bereit ist, führte der Kommunist Oliviero Diliberto aus.

Der ursprüngliche Kandidat des Prodi-Bündnisses, Massimo D'Alema von den Linksdemokraten, war im Mitte-Rechts-Lager auf starken Widerstand gestossen.

Berlusconi gegen Napolitano - «Ex-Kommunist»

Der vergangene Woche zurückgetretene Ministerpräsident Berlusconi lehnte die Kandidatur Napolitanos ab. Dieser sei ein Ex- Kommunist und könne daher von der Mitte-Rechts-Allianz nicht gewählt werden.

Die Rechte hatte am Sonntag - neben Letta - gleich vier Politiker als mögliche Anwärter auf das Amt genannt: Den ehemaligen Wettbewerbskommissar der EU, Mario Monti, die früheren Ministerpräsidenten Giuliano Amato und Lamberto Dini sowie den gerade erst gewählten Senatspräsidenten Franco Marini.

Viele Stimmberechtigte

Den Staatspräsidenten wählen die Abgeordneten, die Senatoren (darunter sieben Senatoren auf Lebenszeit) sowie 58 Vertreter der Regionen. Die in den ersten drei Wahlgängen notwendige Zwei-Drittel- Mehrheit liegt bei 673 Stimmen. Ab dem vierten Wahlgang reicht die absolute Mehrheit von 506 Stimmen.

Der scheidende Staatspräsident Ciampi war 1999 gleich im ersten Wahlgang mit 707 Stimmen gewählt worden. Der italienische Präsident wird für eine siebenjährige Amtszeit gewählt. (sda)

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