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Goji-BeerenKein Superfood, sondern potenziell tödlich

Ernährungsexperte Udo Pollmer teilt wieder aus. Diesmal nimmt er sich ein vermeintliches Superfood vor: die Goji-Beere.

von
Fee Riebeling

Konfrontation scheut der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer nicht. Und so knöpft er sich nach Light-Getränken und Vegetariern die als Superfood geltenden Goji-Beeren (siehe Box) vor. In der Sendung «Mahlzeit» im Deutschlandradio Kultur befand er: «Sie gehören in die Apotheke, nicht ins Obstregal.»

Seiner Forderung lässt er zahlreiche Begründungen folgen (siehe Bildstrecke). Zusammengefasst moniert er, dass die derzeit hochgepriesene Frucht des Gemeinen Bocksdorn schlimme Nebenwirkungen haben und im schlimmsten Fall zum Tod führen kann. Und das, ohne dass die Konsumenten darüber ausreichend informiert würden.

Gutgläubige Konsumenten

Doch müssen die Beeren deshalb gleich in die Apotheke verbannt werden, wollte 20 Minuten von ihm wissen – würde es nicht reichen, die Packungen entsprechend anzuschreiben? «Sie haben recht. Aber glauben Sie wirklich, dass Veganerinnen in ihrem jugendlichen Leichtsinn beim Zusammenrühren ihres Smoothies vorher Dosierungsanleitungen lesen und sich auch noch daran halten?», erwidert Pollmer.

Dass diese einzuhalten durchaus sinnvoll sein kann, lässt sein Schlusssatz vermuten, denn darin gibt der Lebensmittelexperte zu bedenken, dass viele der vornehmlich aus Asien stammenden Beeren mit Pestiziden behandelt seien. «Aber bei einer so gesunden Beere können uns etwaige Rückstände aus chinesischen Pflanzenschutzmitteln vermutlich nichts mehr anhaben», lautet sein süffisanter Kommentar.

Allergien drohen

Tatsache ist: Bereits 2010 kam eine Untersuchung des Amtes für Verbraucherschutz Aargau zu dem Schluss, dass viele Goji-Produkte radioaktiv bestrahlt oder mit Schwefel behandelt werden. Das könne, so teilten die Verantwortlichen damals mit, bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen wie Asthma hervorrufen.

Sollte man nun besser die Finger von den Beeren lassen? So weit geht Udo Pollmer trotz aller Bedenken nicht: «Soll doch jeder essen, was er mag, aber man sollte die Beeren anderen nicht unbedingt empfehlen.»

Deshalb gelten Goji-Beeren als Superfood

Aufgrund ihrer zahlreichen Inhaltsstoffe gilt die auch als Glücksbeere bezeichnete Goji-Beere als Superfood. So soll sie alle essentiellen Aminosäuren, die Vitamine A, C, E sowie besonders viel Vitamin-B enthalten. Auch wird ihr nachgesagt, reich an Eisen, Spurenelementen, Phytonährstoffen und Antioxidantien zu sein. Zudem liefern sie Polysaccharide, die das Immunsystem stärken. Weiter soll sie vor der Zerstörung des optischen Nervs schützen. Aufgrund ihrer antioxidativen Eigenschaften wird sie sogar als «Krebshemmer» angepriesen. Ob dem wirklich so ist, ist offen. Denn die mehr als 20 Jahre alte Studie wurde nicht mit den Beeren durchgeführt, sondern mit isolierten Goji-Polysacchariden. Die Konzentration der positiv wirkenden Stoffe sei damit nicht vergleichbar, monieren Kritiker.

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