Schweinegrippe: Kein Tamiflu für leichte bis mittlere Fälle

Aktualisiert

SchweinegrippeKein Tamiflu für leichte bis mittlere Fälle

Die WHO hat den Ärzten geraten, bei an Schweinegrippe erkrankten Menschen, die keiner Risikogruppe angehören, auf eine Behandlung mit Tamiflu zu verzichten. Damit widerspricht die Weltgesundheitsorganisation den Behörden verschiedener Länder.

Wenn sonst gesunde Menschen sich mit dem Schweinegrippevirus infizieren, brauchen sie nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) keine Grippemittel wie Tamiflu. In einer Empfehlung an die Gesundheitsbehörden erklärte die WHO am Freitag, Ärzte bräuchten bei leichteren oder mittleren Fällen von Schweinegrippe bei sonst gesunden Menschen kein Tamiflu zu verschreiben.

Die Grippemittel sollten die Menschen bekommen, die zu den Risikogruppen gehören. Das sind laut WHO unter anderem Kinder unter fünf Jahren, Schwangere, Menschen über 65 Jahre und diejenigen mit Problemen wie Herzbeschwerden, HIV oder Diabetes. Die Empfehlung der WHO steht in Widerspruch zu den Anweisungen der Gesundheitsbehörden in einigen Ländern wie zum Beispiel Grossbritannien, die Tamiflu an alle ausgeben, die möglicherweise Schweinegrippe haben.

«Mehr Fälle und mehr Tote»

Die Verbreitung der Schweinegrippe wird in den kommenden Monaten laut der Weltgesundheitsorganisation massiv zunehmen und auch mehr Todesopfer fordern. In vielen Ländern könnte sich die Fallzahl bald alle drei bis vier Tage verdoppeln, warnte der WHO-Direktor für die Region des westlichen Pazifik, Shin Young Soo. «Ab einem gewissen Punkt wird es so scheinen, als gebe es eine Explosion der Fallzahlen», sagte Shin auf einer Tagung von Gesundheitsexperten in Peking. «Es ist sicher, dass es mehr Fälle und mehr Tote geben wird.»

Shin forderte die Regierungen zu raschem Handeln auf. Gleichzeitig warnte der WHO-Experte, dass vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer gefährdet seien, zumal ihre Gesundheitssysteme nicht vorbereitet seien. Die WHO hat die Schweinegrippe zu einer globalen Seuche, einer Pandemie, erklärt. Bis vergangene Woche sind dem neuartigen Erreger laut der in Genf ansässigen Organisation fast 1800 Menschen erlegen.

Erstmals bei Truthennen

Die chilenischen Behörden haben den Schweinegrippe-Erreger H1N1 bei Truthennen entdeckt. Es handelt sich um die ersten bekannten Fälle, in denen das Virus bei anderen Lebewesen als Menschen oder Schweinen nachgewiesen wurde.

Die chilenische Landwirtschaftsbehörde SAG erklärte am Donnerstag, der Schweinegrippe-Ausbruch auf zwei Farmen 75 Kilometer westlich der Hauptstadt Santiago de Chile sei unter Kontrolle. Zugleich rief sie die Öffentlichkeit dazu auf, weiterhin Putenprodukte zu essen. (sda/dapd)

888 Fälle von Schweinegrippe in der Schweiz

Die Zahl der bestätigten Fälle von Schweinegrippe in der Schweiz ist am Freitag auf 888 angestiegen. Bis am Nachmittag wurden zudem 41 wahrscheinliche Fälle registriert, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bekannt gab. Die Zahl der registrierten Fälle stieg damit seit dem (gestrigen) Donnerstag um 42 an. Der Test wird aber nur noch bei Personen durchgeführt, die schwere Symptome aufweisen, bei denen ein Komplikationsrisiko besteht oder welche Kontakt mit Personen mit einem erhöhten Komplikationsrisiko hatten, so das BAG. Seit Anfang Juli 2009 wurden insgesamt elf Hospitalisationen gemeldet. Vier Personen wurden aufgrund von grippebedingten Komplikationen hospitalisiert, eine Person kam in Intensivpflege. Insgesamt wurden 22 Häufungen von Fällen gemeldet. Sieben davon sind Ausbrüche in Ferieneinrichtungen, fünf im familiären Umkreis und zehn unter anderen Umständen wie Sportturnieren oder Gruppenausflügen. (AP)

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