Hirsch verheddert sich bei Grabs in Stacheldraht und stirbt
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Grabs SG«Kein Tier hat es verdient, so zu sterben»

Eine Grabserin hat beim Spazieren einen Hirsch entdeckt, der sich in einem Zaun verhedderte und daran verendete. Erst seit kurzem wird das Ablegen des Zauns gesetzlich geregelt.

von
Leo Butie
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Diesen toten Hirsch entdeckte eine Grabserin beim Spazieren. 

Diesen toten Hirsch entdeckte eine Grabserin beim Spazieren.

Privat
Der Hirsch hatte sich in einem Stacheldrahtzaun verheddert und konnte sich vermutlich losreissen.

Der Hirsch hatte sich in einem Stacheldrahtzaun verheddert und konnte sich vermutlich losreissen.

Privat
Das Tier verendete wohl zu einem späteren Zeitpunkt.

Das Tier verendete wohl zu einem späteren Zeitpunkt.

Privat

Darum gehts

  • Eine Grabserin entdeckte beim Spazieren einen toten Hirsch.

  • Der Hirsch hatte sich in Stacheldraht verheddert.

  • Mit der Veröffentlichung der Bilder möchte sie vor Augen führen, welche Schäden Zäune bewirken können.

  • Seit dem ersten Oktober 2021 dürfen im Kanton St. Gallen keine neuen Drahtzäune aufgestellt werden.

Eine unschöne Entdeckung machte eine Grabserin, als sie am vergangenen Freitag oberhalb von Grabs spazieren ging. «Ich sah ein Stück eines Geweihs, die Spur deutete weiter nach unten», sagt die Frau zu 20 Minuten. An der Stelle, wo sie die Spur vermutete, stieg sie in den Wald und fand einen toten Hirsch. «Es hat mich sehr betroffen gemacht», erzählt sie. Um das Geweih hatte sich ein langes Stück Stacheldraht verfangen. Der Hirsch war vermutlich in Panik tödlich gestürzt oder vor Erschöpfung gestorben. «Man kann sich kaum vorstellen, wie viel Kraft es braucht, um sich von einem Drahtzaun loszureissen», sagt die Grabserin.

Dass Zäune derart gefährlich werden können, habe sie nicht gewusst. «Als Bauerntochter wusste ich, dass Tiere sich an Zäunen verletzen können und man die Zäune nach der Sömmerung einsammeln muss», sagt sie. Aber hier wurde es ihr vor Augen geführt, wie schlimm es sein kann. «Kein Tier hat es verdient, so zu sterben», findet die Grabserin. Die Bilder des toten Hirsches hat sie danach auf Social Media veröffentlicht. «Ich wollte, dass sich Leute bewusst werden, was Zäune für einen Schaden anrichten können.»

Sie habe anschliessend den Fund gemeldet. «Der Jäger war auch sehr mitgenommen vom Tod des Hirsches», sagt die Anwohnerin. Anschliessend wurde das Tier zum Greifvogelpark nach Buchs gebracht. «So hatte sein Tod wenigstens ein bisschen Sinn.»

Neue Gesetzesgebung verbietet Stacheldrahtzäune

Als sie das Erlebte einem örtlichen Bauern erzählte, war sie enttäuscht über dessen Haltung. «Anstatt Betroffenheit zu zeigen, kamen nur Rechtfertigungen», sagt sie. Natürlich könne man nicht alle Landwirte in einen Topf werfen, aber: «Ich hätte mir sicherlich mehr Mitgefühl gewünscht.»

Gemäss Sepp Koller, dem zuständigen Wildhüter der Region, komme es jährlich vor, dass sich Tiere in Zäunen verhedderten. «Das passiert vor allem in der Brunftzeit, wo Hirsche lange Strecken zurücklegen», sagt Koller. Damit es zu weniger Zwischenfällen kommt, wurde am ersten Oktober dieses Jahres im Kanton St. Gallen ein Gesetz erlassen, dass Neuanlagen aus Stacheldraht verbietet.

Zuvor gab es keine gesetzliche Regelung bezüglich der Zäune. Zusätzlich gibt es nun zeitliche Fristen, wann ein Weidenetz aufgestellt und abgelegt werden muss. «Seit dem ersten Oktober müssen Landwirte innerhalb von acht Tagen nach der Sömmerung die mobilen Weidenetze ablegen», so Koller. Bis anhin gab es bereits Regelungen, dass die Zäune gut sichtbar und gewartet werden müssen. Das Gesetz wurde präzisiert.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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