«Wilde» Kandidaten: Kein Witz - dieser Mann will in den Bundesrat
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«Wilde» KandidatenKein Witz - dieser Mann will in den Bundesrat

Jeder Schweizer Stimmbürger kann für das Amt des Bundesrats kandidieren. 17 solcher Bewerbungen sind für die Wahlen am Mittwoch eingetroffen - längst nicht alle sind ein Gag.

von
Jessica Pfister

Eigentlich haben sie keine Chance. Trotzdem melden sich vor jeder Bundesratswahl eine Handvoll Kandidaten aus dem Volk, die gerne in der Landesregierung mitmischen würden. Auch für die Gesamterneuerungswahlen vom Mittwoch sind laut Mark Stucki von den Parlamentsdiensten bis am Montag 17 solche Kandidaturen eingegangen.

Genaue Angaben zu den Kandidaten dürfen die Parlamentsdienste nicht rausgeben. Immerhin so viel: «Die Bewerbungen sind jeweils völlig unterschiedlich», sagt Stucki. Während die einen ein seriös aufgemachtes, mehrseitiges Bewerbungsdossier einreichen, begnügen sich andere mit einer Postkarte oder schreiben lediglich ihren Namen auf einen Fresszettel. Rein formal spielt das keine Rolle. «Eigentlich bräuchte es gar kein Schreiben, da grundsätzlich alle Stimmberechtigten auch wählbar sind», so Stucki.

Theater mit offiziellen Kandidaten als Chance

Eines der wohl ausführlichsten Dossiers kam mit 17 Seiten aus dem Baselland, genauer aus Tenniken. Bereits zum zweiten Mal kandidiert der diplomierte Handelsreisende und Videofilmer Kurt C. Thommen für den Posten im Bundesrat - vor vier Jahren noch für die SVP, heute als Parteiloser. Gemäss der «Basler Zeitung» erhielt er die Bestätigung seiner Kandidatur am 3. November. «Ich glaube, dass ich dieses Jahr reelle Chancen habe», sagt der 61-Jährige gegenüber 20 Minuten Online. Den offiziellen Kandidaten könne man ja nicht wirklich trauen. Dies habe der Rücktritt von SVP-Bundesratsanwärter Bruno Zuppiger gezeigt.

Thommen, der seit Jahren bei fast jedem politischen Anlass mit seiner Kamera dabei ist und auch schon den einen oder anderen Bundesrat persönlich getroffen hat, glaubt an seine Fähigkeiten. «Ich bin politisch sehr interessiert und kenne mich als langjähriges Militärmitglied in dieser Thematik gut aus.» Deshalb würde ihn auch Ueli Maurers Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) besonders reizen. «Falls Maurer nach den Wahlen das Departement wechselt, wäre das für mich ideal.» Im VBS würde er allerdings nicht in neue Kampfjets investieren, sondern mit dem Geld lieber die Volksarmut bekämpfen. Damit dieser Wunsch wahr wird, hat Thommen vor allem bei Basler und Baselbieter National- und Ständeräten lobbyiert. «Mein Mindestziel sind zehn Stimmen», so der 61-Jährige. Dann würde er nämlich im Saal namentlich erwähnt werden und würde nicht in der Bezeichnung «verschiedene Stimmen erhalten» untergehen.

Parlamentarier müssen Liste einsehen

Doch nur schon zehn Stimmen zu erreichen, wird für den Politikliebhaber Thommen, wie auch für die restlichen 16 Kandidaten, ein schwieriges Unterfangen. Denn die «wilden» Kandidaten werden nicht etwa am Mittwochmorgen vor den Wahlen offiziell vorgestellt. «Es gibt auch keine Liste», sagt Mark Stucki von den Parlamentsdiensten. Wenn sich Ratsmitglieder für alle Kandidaten interessieren, müssen sie sich an den Generalsekretär der Parlamentsdienste wenden. Dieser sitzt im Nationalratssaal und verfügt über sämtliche Unterlagen.

Für Thommen kein Grund, die Hoffnung zu verlieren. Er werde die Wahlen «geputzt und gestrählt» von zuhause aus verfolgen. «Wenn der Mercedes von Bern käme, wäre ich also schon parat.»

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