«Kein Wochenende ohne Stich- und Kopfverletzungen»
Aktualisiert

«Kein Wochenende ohne Stich- und Kopfverletzungen»

In Bern sind rund 60 Prozent der Notfallpatienten Opfer von Gewalt. Am Zürcher Unispital macht man ähnliche Erfahrungen: Dort nahm die Zahl der Gewaltverletzten in den letzten 10 Jahren um 50 Prozent zu.

«Bei uns gibt es keinen Wochenendrapport mehr, in dem nicht von Stich- und Kopfverletzungen oder anderen Verletzungen durch Gewalteinwirkung die Rede ist», erklärt Dr. Marius Keel, Leitender Arzt Unfallchirurgie Universitätsspital Zürich, gegenüber 20minuten.ch. «Aufgefallen ist mir das schon vor fünf Jahren, heute ist das eine unumstrittene Tatsache.»

Mehr Gewaltopfer – weniger Suizide

Bei den Schwerverletzten lag der Anteil der Gewaltopfer von 1996 bis 1999 bei durchschnittlich 4 Prozent, so Keel. Zwischen 2000 und 2004 lag der Durchschnitt bei 6 Prozent. Ein Drittel davon waren schwere Kopfverletzungen, zwei Drittel waren Schuss- und Stichverletzungen. Bemerkenswert ist für Dr. Keel der Umstand, dass die Zahl der Selbstmordversuche rückläufig ist: Lag in den 90ern die Zahl der Eingelieferten noch bei 12 Prozent, ist sie seit Anfang 2000 auf 9 Prozent gesunken.

Während in der Stadt Zürich gleich drei Spitäler – Triemli-, Waid- und Universitätsspital - die Schwerverletzten aufnehmen können, werden in Bern die Patienten ins Inselspital eingeliefert. Am Sonntag hat das Notfallzentrum des Berner Inselspitals eine Studie publiziert, die genaue Zahlen zu den letzten sechs Jahren liefert.

Gewaltverletzungen: Zunahme um fast 60 Prozent

Die Gewaltverletzungen haben um fast 60 Prozent zugenommen, gleichzeitig sind die Verletzungen schwerer und deren Behandlung teurer geworden. Immer häufiger würden Verletzte mit schweren Kopfverletzungen eingeliefert: Der Anteil von Gesichts- und Schädelverletzungen stieg von 11 auf 17 Prozent.

Als Folge der vermehrten Kopfverletzungen sind gemäss Studie auch die durchschnittlichen Kosten für eine Behandlung von 1500 Franken im Jahr 2001 auf 5000 Franken im Jahr 2006 gestiegen. Insgesamt wurden während des Untersuchungszeitraums 1190 Patienten mit Gewaltverletzungen behandelt. Davon waren 89 Prozent Männer und 63 Prozent Schweizer. Das Durchschnittsalter lag bei 27 Jahren. 78 Prozent der Patienten konnten das Spital innerhalb von 24 Stunden wieder verlassen.

Tina Fassbind, 20minuten.ch

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