Ständeratskommission: Kein Zwang zu Managed Care
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StänderatskommissionKein Zwang zu Managed Care

Die Gesundheitskommission des Ständerats widersetzt sich Bundesrat und Nationalrat und will Krankenkassen nicht zwingen, ein integriertes Versorgungsnetz anzubieten.

Die SGK hält nichts davon, dass sich Hausärzte, Spezialärzte und Physiotherapeuten zum Zweck der Koordination der medizinischen Versorgung zusammenschliessen.

Die SGK hält nichts davon, dass sich Hausärzte, Spezialärzte und Physiotherapeuten zum Zweck der Koordination der medizinischen Versorgung zusammenschliessen.

Der Entscheid der SGK, diese Bestimmung aus der Managed-Care-Vorlage zu streichen, fiel mit 7 zu 4 Stimmen bei einer Enthaltung, wie die Parlamentsdienste am Dienstag mitteilten. Die Kommission stösst damit einen Beschluss um, den sie Ende Oktober getroffen hatte. Damals hatte sich die SGK mit 7 zu 3 Stimmen dafür ausgesprochen, dass die Versicherer Managed-Care-Modelle anbieten müssen.

Von integrierten medizinischen Versorgungsnetzen (Managed Care) spricht man, wenn sich Leistungserbringer - etwa Hausärzte, Spezialärzte und Physiotherapeuten - zum Zweck der Koordination der medizinischen Versorgung zusammenschliessen.

Dank besserer Koordination sollen die Behandlungsprozesse optimiert, die Behandlungsqualität und das Kostenwachstum gebremst werden. Damit Managed Care im Parlament überhaupt eine Chance hat, haben die Gesundheitspolitiker eine Vorlage ausgearbeitet, die sowohl von den Krankenkassen als auch von den Ärzten und Patienten Konzessionen verlangt.

Kompromiss in Frage gestellt

Mit ihrer Empfehlung stellt die SGK nun ein wesentliches Element dieses Kompromisses in Frage. Der Zwang solche Modelle anzubieten gilt als Preis, den die Versicherer für den Durchbruch von Managed Care bezahlen müssen.

Der Entscheid dürfte in Zusammenhang stehen mit einem anderen Beschluss, den die SGK im Oktober traf. Die Komission hatte sich damals für ein anderes Modell ausgesprochen als der Nationalrat, um die Anreize für den Wechsel in ein Managed-Care-Modell zu schaffen.

Statt die Versicherten, die Managed Care fernbleiben wollen, mit einer Verdoppelung des Selbstbehaltes von heute 10 auf 20 Prozent zu bestrafen, sollen die Versicherten mit einem tieferen Selbstbehalt (5 Prozent) in die neuen Angebote gelockt werden. Wer an der freien Arztwahl festhalten will, soll 15 Prozent Selbstbehalt bezahlen.

Die Krankenversicherer signalisierten jedoch umgehend, dass die Vorlage damit aus ihrer Sicht aus dem Gleichgewicht geraten sei. Damit verpuffe der Spareffekt gleich wieder.

Kein vorzeitiger Wechsel des Versicherers

Die SGK ist noch in einem weiteren Punkt auf die Entscheide vom Oktober zurückgekommen: So spricht sich die Kommission nun dagegen aus, dass Versicherte mit einem Managed-Care-3-Jahresvertrag bei einer überdurchschnittlichen Prämienerhöhung vorzeitig den Versicherer wechseln können.

Über die Anträge entscheiden wird der Ständerat in der dritten Woche der kommenden Wintersession. (sda)

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