Eidgenössisches in Pratteln BL: «Keine Achtung» – Siegermuni in Ketten entsetzt Tierschützer

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Eidgenössisches in Pratteln BL«Keine Achtung» – Siegermuni in Ketten entsetzt Tierschützer

Ein Foto von Siegermuni Magnus im Gabentempel des Eidgenössischen Schwingfests entsetzt Tierschützer. Diese wollten vor dem Festgelände gegen die Lebendpreise demonstrieren, ihr Gesuch wurde aber abgewiesen.

von
Vanessa Travasci
Jeanne Dutoit
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«Der stellvertretende Siegermuni an Ketten», schreibt Alt-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer zu diesem Bild aus dem Gabentempel auf Twitter.

«Der stellvertretende Siegermuni an Ketten», schreibt Alt-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer zu diesem Bild aus dem Gabentempel auf Twitter.

twitter/@SusanneSlo
Der originale Siegerstier ist derzeit in ärztlicher Behandlung. Er hatte einen Stein in der Klaue. Die Verletzung entzündete sich.

Der originale Siegerstier ist derzeit in ärztlicher Behandlung. Er hatte einen Stein in der Klaue. Die Verletzung entzündete sich.

ESAF
Traditionsgemäss erhält der Sieger des Eidgenössischen Schwinger- und Älplerfest einen Stier als Preis geschenkt. 

Traditionsgemäss erhält der Sieger des Eidgenössischen Schwinger- und Älplerfest einen Stier als Preis geschenkt. 

ESAF Pratteln

Darum gehts

«Das stellvertretende Siegermuni an Ketten», schreibt Alt-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer in einem Tweet vom Dienstag dieser Woche. Fotografiert habe sie Magnus, weil sie von der Grösse des Tieres fasziniert war. «Er ist riesig, viel grösser, als ich ihn mir vorgestellt habe und er auf den Bildern scheint. Seine Grösse hat mich sehr beeindruckt. Darum war ich auch froh, dass er angebunden war», sagt sie gegenüber 20 Minuten.

Trotzdem habe sie sich vergewissert, ob der Muni Freigang habe. «Man bestätigte mir dann, dass er sich auch frei bewegen darf», so Leutenegger Oberholzer. Da der ursprüngliche Lebendpreis in ärztlicher Behandlung ist, sitzt derzeit ein Stellvertreter im Stall auf dem Festgelände. Ob der originale Magnus wieder zurückkehrt, sei laut Verantwortlichen unklar.

«Tier kann sich so nicht mal kratzen»

Entsetzt über den Schnappschuss der Politikerin ist hingegen Olivier Bieli von der Tierschutzorganisation Basel Animal Save. «Die Haltung des Tieres ist ganz klar haarsträubend. So wie der Stier angekettet ist, kann er sich nicht drehen, nach hinten schauen, kratzen oder eine lästige Fliege vom Rücken verscheuchen», sagt er auf Anfrage. Jedoch sei ihm bewusst, dass dies nicht illegal sei. «Anbindehaltung ist in der Schweiz erlaubt. Sie hat aber nichts mit Respekt, Achtung oder guter Tierhaltung zu tun», fügt er an. Es sei auch paradox, wie bei so einem riesigen Festgelände das Tier auf so kleinem Raum gehalten werde, so Bieli. 

Bieli könne sich gut vorstellen, dass der Lebendpreis den ganzen Tag zur Schau gestellt werde. «Der Siegermuni ist das Statussymbol dieses Sportanlasses und wird entsprechend präsentiert», sagt der Tierschützer. Es sei jedoch völlig gegen die Natur des Tieres. Stiere seien Herdentiere, hielten sich in der Gruppe auf und würden sich beispielsweise gegenseitig pflegen. Laut einem Bericht von Telebasel hat es morgens Auslauf, bei welchem es durchs Festgelände spaziert, um sich an den Rummel zu gewöhnen. Vom OK des ESAF war aber am Dienstag indes keine Stellungnahme erhältlich.

Die Auflagen für die Anbindehaltung kennt der Schweizer Bauernverband. «Die Anbindevorrichtungen müssen dem Tier genügend Spiel geben, damit ein artgemässes Aufstehen und Abliegen sowie Zurücktreten möglich ist», erklärt Mediensprecherin Sandra Helfenstein. Auch dürfe der Stier höchstens zwei Wochen ohne Auslauf bleiben. «Da das Tier ja nur kurz am Schwingfest ist, lässt sich das ohne Probleme einhalten. Allenfalls wird er auch vor Ort zwischendurch bewegt», so Helfenstein.

Tierschützer dürfen nicht demonstrieren

Tierschützer Olivier Bieli will gegen die Tradition des Siegermunis vorgehen und am Sonntag des Festwochenendes vor Ort gegen Lebendpreise demonstrieren. Nachdem die Gemeinde Pratteln ihn abgewiesen hatte, reichte er Beschwerde bei der Regierung Basel-Landschaft ein. «Der Entscheid wird mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht vor dem Schwingfest fallen», sagt Nic Kaufmann, Regierungssprecher des Kantons Baselland auf Anfrage. Um eine Beschwerde zu behandeln, müssten alle Parteien mit entsprechenden Fristen angehört werden, fügt er an. Damit ist nun klar: Die Kundgebung von Bielis Organisation vor den Toren des Festgeländes darf nicht stattfinden.

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