Wildwest in Sargans: «Keine Ahnung, warum er geschossen hat»

Aktualisiert

Wildwest in Sargans«Keine Ahnung, warum er geschossen hat»

Wieso der 42-Jährige S.E.* in Sargans mitten in der Nacht vom Balkon feuerte, ist unklar. Jedenfalls war er dabei betrunken. Nachbarn beschreiben ihn als ruhig und sympathisch.

von
tso
Hier wohnt der 41-Jährige Schütze mit seiner Lebenspartnerin.

Hier wohnt der 41-Jährige Schütze mit seiner Lebenspartnerin.

Wildwest in Sargans: Der 42-jährige Schweizer S.E.* kam am Donnerstag um 1.30 Uhr betrunken nach Hause und lud seine Pumpgun. Dann stellte er sich auf seinen Balkon und gab zwei Schüsse ab.

Schütze wehrte sich heftig

Seine 41-jährige Lebenspartnerin S.K.* flüchtete aus der Wohnung und verständigte die Polizei, die sogleich anrückte. «Die Patrouille hat sich dem Mann mit taktischer Vorsicht genähert und ihn angesprochen», sagt Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen. Man habe den Schützen aufgefordert, seine Waffe niederzulegen. Als E. der Aufforderung nachkam, wurde er von drei Beamten überwältigt und festgenommen. «Der Mann wehrte sich heftig», so Rezzoli. Auch der Hund des 42-Jährigen war mit der Festnahme nicht einverstanden: Er bellte und schnappte nach den Polizisten.

Nicht wenige aus der Nachbarschaft wurden durch die Schüsse und den Lärm aus dem Schlaf gerissen. «Ich dachte, das muss ein 1.-August-Nachzügler sein», so ein Nachbar. Nur ein Teenager vom nahegelegenen Block will den Lärm zweifelsfrei als Pumpactionschüsse identifiziert haben. «Ich gamte gerade Egoshooter, als ich die Schüsse hörte», sagt er. «Es hat von den Felswänden her ziemlich gehallt.» Erschrocken sei er schon, gibt der junge Mann zu. «Ich frage mich, wie sicher Sargans noch ist. Erst kürzlich gab es hier einen Banküberfall

Dass E. eine Waffe besessen habe, überrasche ihn nicht. «Dass er sie aber illegal besass, gibt schon zu denken.» Im Übrigen sei der grosse und kräftige E. immer nett gewesen.

Bisher nicht vernehmungsfähig

Weniger Bedenken hat der 46-Jährige Arben Bajgora vom Mehrfamilienhaus gegenüber. Er kennt S.E. vom Sehen her und beschreibt ihn als freundlichen, sympathischen Mann. «Keine Ahnung, warum er geschossen hat», so Bajgora. Wichtig sei, dass niemand verletzt wurde. «Ich denke nicht, dass er jemandem etwas zuleide tun wollte.»

Was den E. zu seiner nächtlichen Schussabgabe getrieben hat, ist nun Gegenstand der Ermittlungen. Rezzoli: «Der Schütze hatte knapp zwei Promille intus und war vorerst nicht vernehmungsfähig.»

Die Tatwaffe, eine Vorderschaftrepetierflinte der Marke Remington, wurde mitsamt Munition sichergestellt. Einen Waffenerwerbsschein hat der Mann nicht. Einschusslöcher hat die Polizei bisher keine gefunden.

*Namen der Redaktion bekannt

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