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Finanz- und andere TurbulenzenKeine Antworten, dafür droht der FCB mit Klage

FCB-Mitbesitzer David Degen könnte eine zunehmend wichtige Rolle einnehmen, denn in Basel verdichten sich Gerüchte, dass der Club wirtschaftlich nicht gut dasteht.

von
ete
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Mehrere FCB-Spieler veröffentlichen auf Instagram ein gemeinsames Statement. So hätten alle Spieler der 1. Mannschaft im letzten Monat 20 Prozent ihres Gehalts für wohltätige Zwecke gespendet in der Absicht, dass dieses Geld dort eingesetzt wird, wo es aufgrund der Corona-Problematik am dringendsten benötigt wird.

Mehrere FCB-Spieler veröffentlichen auf Instagram ein gemeinsames Statement. So hätten alle Spieler der 1. Mannschaft im letzten Monat 20 Prozent ihres Gehalts für wohltätige Zwecke gespendet in der Absicht, dass dieses Geld dort eingesetzt wird, wo es aufgrund der Corona-Problematik am dringendsten benötigt wird.

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Damit reagieren die Spieler auf den Vorschlag des Clubs, auf 17,5 Prozent des Jahressalärs zu verzichten.

Damit reagieren die Spieler auf den Vorschlag des Clubs, auf 17,5 Prozent des Jahressalärs zu verzichten.

epa/Armando Babani
Auch schreibt der «Blick», dass die Profis lediglich zu einem Verzicht von 1,25 Prozent ihres jährlichen Fixsalärs bereit seien – was in den besagten drei Monaten einer Reduktion von fünf Prozent entspräche. Ob das stimmt, ist unklar.

Auch schreibt der «Blick», dass die Profis lediglich zu einem Verzicht von 1,25 Prozent ihres jährlichen Fixsalärs bereit seien – was in den besagten drei Monaten einer Reduktion von fünf Prozent entspräche. Ob das stimmt, ist unklar.

epa/Armando Babani

Keine Zuschauer, fehlende TV- und Sponsorengelder. Kurzarbeit für die Mitarbeiter. Die Coronakrise setzt auch dem FC Basel finanziell zu. In den vergangenen Wochen gab es immer wieder Anzeichen dafür, dass der einstige Schweizer Vorzeigeclub vom Rheinknie in ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken könnte.

Die «Basler Zeitung» schrieb, dass der Ursprung der aktuellen Probleme in der Vergangenheit, in welcher Präsident Bernhard Burgener den Club so führte, dass innerhalb von drei Jahren der grösste Teil der vormaligen Reserven von 60 Millionen aufgebraucht wurde, liegen würde. Die Zeitung berichtete von über 15 Millionen Franken, die deshalb aktuell von der Holding in die FC Basel 1893 AG hätten überführt werden sollen und auch, dass die Liquidität gefährdet sein soll. Diesen Aussagen widersprach CEO Roland Heri im Interview mit der Website «rotblauapp.ch» nicht.

Der FCB hat seinen Geschäftsabschluss 2019 allerdings noch nicht bekannt gegeben und daher ist nicht klar, wie es um die Finanzen der FC Basel 1893 AG steht, die für die Profiabteilung zuständig ist. Sie ist zu 75 Prozent im Besitz der FC Basel Holding AG, die wiederum zu 80 Prozent Präsident Bernhard Burgener gehört. 10 Prozent hat David Degen von Burgener erworben. Laut den Zahlen der «BaZ» wird die Holding nicht mehr lang Löcher stopfen können.

Spekulationen um Verkaufsabsichten

In Basel sind zudem vermehrt Gerüchte zu vernehmen, dass Burgener einen Verkauf der Holding in Betracht ziehen könnte und Interesse daran habe, eine Basler Lösung zu finden. Und genau da käme David Degen wieder ins Spiel. Es darf davon ausgegangen werden, dass der ehrgeizige Geschäftsmann und ehemalige FCB-Spieler sich beim Deal mit Burgener ein Vorkaufsrecht für weitere Anteile in den Vertrag schreiben hat lassen. Zu hören ist auch, dass Degen bereits weibelt, um eine Investorengruppe um sich zu scharen, die bereit für einen Einstieg wäre.

Die Sonntagszeitung (der Artikel ist zahlungspflichtig) nahm einen Anlauf, Burgener mit 12 Fragen zur FCB-Zukunft zu konfrontieren. Statt zu antworten, erhielt die Zeitung nur eine ausweichende Antwort durch Burgeners Anwalt sowie die Androhung «Unterstellungen oder Spekulationen, mit denen Sie meine Klienten zu diskreditieren versuchen, zu unterlassen», druckte die Sonntagszeitung den Wortlaut ab. «Notfalls» werde auch strafrechtlich gegen die Zeitung vorgegangen.

Misstrauen gegenüber der Geschäftsleitung

Uneinigkeit, fehlende Solidarität und Misstrauen. Der FCB gibt derzeit kein gutes Bild ab, die Fronten sind verhärtet. Zum Thema passt auch: Der FCB verschickte am 8. April um 22.09 Uhr eine Mitteilung an die Medien, dass die erste Mannschaft einen Vorschlag der Clubleitung abgelehnt habe, im April, Mai und Juni auf 70 Prozent ihres Gehalts zu verzichten. Die ungewöhnliche Kommunikation erklärte die FCB-Führung damit, dass sie sich unter Druck gefühlt habe, nachdem sich Journalisten mit Fragen gemeldet hätten, die mit Internas bedient worden seien. Kolportiert wurde, dass das Gegenangebot der Spieler lediglich einer Reduktion von fünf Prozent entsprochen habe.

Die öffentliche Blossstellung des Vereins wiederum löste eine Reaktion der Mannschaft aus. Die Spieler teilten via Instagram mit, sie hätten «ein paar Dinge richtig zu stellen». Die erste Mannschaft hätte im vergangenen Monat mindestens 20 Prozent des Lohnes für wohltätige Zwecke gespendet und sei weiterhin bereit, auf Lohn zu verzichten, «vorausgesetzt sie wüssten, wo das Geld hinfliesst und für was es verwendet wird». In ihren Posts gaben sich die Spieler keine Mühe, ihr Misstrauen gegenüber der Geschäftsleitung zu kaschieren.

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