Aktualisiert 08.09.2009 14:55

Couchepin-Nachfolge«Keine Beruhigungspille für die SVP»

Christian Lüscher sieht sich nicht als Kandidat der SVP. Zwar richte er sich nicht nach der Mehrheit und sage immer, was er denke. Gerade das zeichne ihn aber als Liberalen aus, beteuerte Lüscher in einem Interview.

Mit der Rolle als Aussenseiter könne er leben, aber er sei ein echter Kandidat der FDP. «Ich bin keine Beruhigungspille für die SVP», betonte der Genfer Anwalt, der seit zwei Jahren im Nationalrat sitzt.

Um seine Wahlchancen abzuschätzen, sei es zu früh. Wer ihm aber Lücken in den Dossiers unterstelle, der lüge, sagte Lüscher im «Tagesgespräch» von Schweizer Radio DRS. Wahr sei, dass er keine Exekutiv-Erfahrung habe. Für ihn seien Ideen aber wichtiger als Erfahrung. «Erfahrungen können manchmal katastrophal sein.»

Bundesrat muss zusammenrücken

Ideen hat Lüscher etwa bezüglich der Arbeit des Bundesrats: Das Gremium müsse öfter zusammenkommen, mehr Entscheide gemeinsam fällen und sie dann auch gemeinsam vertreten, forderte er. «Wir brauchen keine Reformen auf dem Papier, sondern Reformen in den Köpfen.»

Eine politische Baustelle sieht Lüscher auch in der Aussenpolitik. Besonders die Verhältnisse zu den USA und zu Europa müssten verbessert werden. Dass die Schweiz in den nächsten 15 Jahren Mitglied der EU wird, glaubt Lüscher nicht. Dies sei nicht der Wille der Bevölkerung.

In der Schweiz selber brauche es dringend mehr Arbeitsplätze. So könnten auch die Sozialwerke entlastet werden. Lüscher bekennt sich aber klar zum Sozialstaat: Wer Hilfe brauche, soll diese vom Staat bekommen, sagte er. «Ich habe in den USA gesehen, was geschieht, wenn dieses System versagt.»

Lüscher ist zusammen mit dem Neuenburger Ständerat Didier Burkhalter von der FDP für die Nachfolge von Pascal Couchepin nominiert worden. Die Nomination eines CVP-Kandidaten findet möglicherweise heute Dienstag statt. (sda)

20-Minuten-Online-Leser wählen ihren Bundesrat

Bis zur Bundesratswahl am 16. September stellt 20 Minuten Online seinen Lesern in mehreren Durchgängen die Kandidaten der Parteien zur Wahl. Nach der Nomination durch die Fraktion stehen bei der FDP zwei Politiker zur Auswahl, bei der CVP haben sich drei Parlamentarier als Kandidaten bereit erklärt. Noch keine möglichen Kandidaten sind bei der SVP bestimmt. An den Fraktionssitzungen am Dienstag, 8. September könnte sich die Situation bei der CVP und der SVP klären.

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