Aktualisiert 12.01.2013 19:48

Wahlen in TschechienKeine Chance für Tattoo-Mann Wladimir

Bei der Stichwahl um das Amt des tschechischen Präsidenten wird Favorit Milos Zeman auf Karel Schwarzenberg treffen. Der bei den Jungen beliebte Aussenseiter Wladimir Franz blieb chancenlos.

Noch im Rennen um die Nachfolge des scheidenden Präsidenten Vaclav Klaus: Milos Zeman (l.) und Karel Schwarzenberg.

Noch im Rennen um die Nachfolge des scheidenden Präsidenten Vaclav Klaus: Milos Zeman (l.) und Karel Schwarzenberg.

Überraschende Zwischenetappe einer historischen Wahl: Die Tschechen haben zum ersten Mal direkt über ihren künftigen Präsidenten abgestimmt und neben Milos Zeman einen Aussenseiter in die Stichwahl geschickt. Neben dem linken Ex-Regierungschef kämpft in zwei Wochen der konservative Aussenminister Karel Schwarzenberg um den Einzug in die Prager Burg. Der bis vor kurzem als aussichtsreichster Kandidat gehandelte frühere Ministerpräsident Jan Fischer landete bei der Abstimmung unter neun Kandidaten hingegen nur auf Platz drei. Der Tattoo-Mann Wladimir Franz landete mit 6,84 Prozent der Stimmen immerhin noch auf Platz fünf.

Nach Auszählung nahezu aller in den 15.000 Wahlbüros abgegebenen Stimmzettel ergab sich ein klares Bild: Zeman konnte gut 24 Prozent der Stimmen auf sich vereinen, Schwarzenberg lag mit etwas über 23 Prozent knapp dahinter. Für Fischer entschieden sich nur gut 16 Prozent der Wähler. Weil kein Kandidat im ersten zweitägigen Wahlgang eine eigene Mehrheit erreichte, folgt nun am 25. und 26. eine zweite Runde.

«Es wird ein Präsidentschaftsrennen zwischen einem Kandidaten der Linken und einem Kandidaten der Rechten», sagte Zeman, der nach seiner Niederlage bei der Präsidentschaftswahl 2003 im Alter von 68 Jahren die Rückkehr an die Macht plant. «In der zweiten Runde fangen wir noch mal ganz von vorne an.»

Schwarzenberg mit starkem Endspurt

Karel Fürst zu Schwarzenberg versicherte seinerseits, er werde alles tun, um aus Tschechien vom Amtssitz auf dem Prager Hradschin-Berg «ein erfolgreiches Land» zu machen. Der adelige Aussenminister hatte mit einem starken Kampagnen-Endspurt viele Wähler für sich gewinnen können und diese Woche 10.000 Anhänger bei einer Massenversammlung in Prag um sich geschart.

Die zweite und letzte Amtszeit des scheidenden Präsidenten Vaclav Klaus endet am 7. März. Er hatte die im vergangenen Februar verabschiedete Verfassungsänderung, die erstmals eine Direktwahl des Staatsoberhauptes ermöglicht, als «fatalen Fehler» bezeichnet. Seit der Spaltung der ehemaligen Tschechoslowakei im Jahre 1993 wurde Tschechien von zwei parlamentarisch gewählten Präsidenten geführt. Vor Klaus hatte der Dichter und Dissident Vaclav Havel (1993-2003) das höchste Staatsamt inne.

Schillernder Polit-Exzentriker und adeliger Fürst

Milos Zeman gehört zu den schillernderen Figuren der Prager Politszene. Zwischen 1998 und 2002 war er Chef einer linksliberalen Minderheitsregierung. Später zerstritt er sich mit seiner sozialdemokratischen Partei CSSD und gründete 2009 die Bürgerrechtspartei SPOZ. Zeman studierte wie Fischer Ökonomie und hegt für Tschechien «die Vision eines Sozialstaats nach skandinavischem Vorbild». Zugleich aber kündigte er an, sich «durch regelmässige Auftritte in Kabinett und Parlament» aktiv in die Regierungspolitik einmischen zu wollen.

Der 75-jährige Schwarzenberg ist Parteichef der konservativen TOP 09 und Mitglied der regierenden Mitte-Rechts-Koalition. Während der Kommunistenherrschaft lebte er im österreichischen und deutschen Exil. Nach der Samtenen Revolution wurde er Havels Kanzler und von 2007 bis 2009 Aussenminister - ein Amt, das er nach den Wahlen 2010 wieder übernehmen durfte. (dapd)

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