Securitrans-Chef: «Keine Chance, solche Angriffe zu verhindern»
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Securitrans-Chef«Keine Chance, solche Angriffe zu verhindern»

Der Amoklauf im Regionalzug wirft Fragen zur Sicherheit in Zügen auf. Securitrans-Chef Martin Graf glaubt nicht, dass man überall präsent sein kann.

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Am 13. August 2016 hat ein  27-jähriger Schweizer Zugpassagiere mit einer brennbaren Flüssigkeit attackiert. Der Zug war zwischen Sargans und St. Gallen unterwegs. Die Tat geschah zwischen Buchs SG und Salez SG.

Am 13. August 2016 hat ein 27-jähriger Schweizer Zugpassagiere mit einer brennbaren Flüssigkeit attackiert. Der Zug war zwischen Sargans und St. Gallen unterwegs. Die Tat geschah zwischen Buchs SG und Salez SG.

Reporter 20 Minuten
Eine Nahaufnahme des Abteils.

Eine Nahaufnahme des Abteils.

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Der Mann war neben der brennbaren Flüssigkeit auch mit einem Messer bewaffnet.

Der Mann war neben der brennbaren Flüssigkeit auch mit einem Messer bewaffnet.

Beat Kälin, newspictures

Ein Amoklauf in einem Zug wie jener vom Samstagnachmittag im St. Galler Rheintal lässt sich nach Einschätzung von Securitrans-Chef Martin Graf nicht verhindern. Auch eine verstärkte Videoüberwachung an den Bahnhöfen würde aus seiner Sicht nichts bringen.

«Wir haben keine Chance, solche Fälle zu verhindern», sagte Graf in einem Interview in der Montagsausgabe des «Tages-Anzeigers». Es sei kaum möglich, dass die Sicherheitsorgane am richtigen Ort seien, wenn jemand, der den Behörden nie aufgefallen sei, völlig überraschend kriminelle Handlungen begehe.

Diese Region gilt als problemlos

«Die Strecke, auf der das passiert ist, war bisher absolutes Friedensgebiet», sagte Graf weiter. An solchen Orten gebe es für die Sicherheitsorgane keinen Grund, präsent zu sein. In der Regel werde zu jenen Zeiten und an jenen Orten kontrolliert, wo am meisten geschehe. Das sei zu den Stosszeiten, vor allem abends und an Wochenenden. «Damit liegen wir zu 99 Prozent richtig», sagt Graf im Interview.

Auch mehr Videoüberwachung würde kaum etwas bringen. «Falls der Täter an einem grossen Bahnhof eingestiegen ist, wurde er aufgenommen, wenn er an einem kleinen Regionalbahnhof zustieg, nicht», sagte der Securitrans-Chef weiter.

Videoüberwachung gibts nicht überall

Dort wäre es in seinen Augen auch unverhältnismässig, Kameras anzubringen. Zudem verhielten sich solche Täter am Bahnhof und selbst bei einer Billettkontrolle im Zug meist völlig unauffällig. Dann verhindere auch eine Überwachung die Tat nicht.

Augenzeuge über Zug-Attacke

Dino K. war in dem Zug, in dem ein Mann sechs Passagiere angriff und verletzte.

Im Zug sei es nicht gefährlicher als an anderen Orten, etwa in Einkaufszentren. In Städten seien Bahnhöfe sogar die sichersten Orte. «Aber im Gegensatz zum Flugverkehr kann man sich mit der Bahn anonym bewegen, es gibt keine Passagierlisten. Das wäre nicht praktikabel», sagte Graf weiter.

Er rät Passagieren, sich an einen Ort zu setzen, wo man von anderen Passagieren gesehen werde. Die Umgebung, wo man sich hinsetze, sollte angeschaut werden. «Wenn aufgrund anderer Passagiere ein ungutes Gefühl aufkommt, sollte man sich ein anderes Abteil suchen», sagte Graf. (zum/sda)

17-Jährige nach Zug-Attacke in kritischem Zustand

Nach der Attacke vom Samstag in einem Zug bei Salez SG befindet sich eine 17-jährige Frau weiter in kritischem Zustand. Ausser Lebensgefahr sind das sechsjährige Mädchen und eine 43-jährige Frau, die ebenfalls schwer verletzt wurden.

Über den Täter und die Hintergründe der Tat ist praktisch nichts bekannt. Es gebe keine Erkenntnisse, sagte Kapo-Sprecher Hanspeter Krüsi. Die Verletzten, die sich noch im Spital befinden, konnte die Polizei laut Krüsi noch nicht befragen.

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