11.06.2020 07:17

Rünenberg BL

«Keine Denkmäler für Sklavenhalter»

Der Baselbieter Volksheld Johann August Sutter gilt als Gründervater der Kalifornischen Hauptstadt Sacramento. Er handelte aber auch mit Sklaven und Indianerkindern. Jetzt haben es die Juso auf sein Denkmal in Rünenberg abgesehen.

von
Lukas Hausendorf
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General Sutter war nicht der Volksheld, für den er bis heute von vielen gehalten wird. Die Baselbieter Jungsozialisten rütteln nun an seinem Andenken.

General Sutter war nicht der Volksheld, für den er bis heute von vielen gehalten wird. Die Baselbieter Jungsozialisten rütteln nun an seinem Andenken.

Juso BL
In Rünenberg haben sie die Gedenktafel, die an den prominenten Baselbieter erinnert, überdeckt und mit einer eindeutigen Botschaft versehen.

In Rünenberg haben sie die Gedenktafel, die an den prominenten Baselbieter erinnert, überdeckt und mit einer eindeutigen Botschaft versehen.

Juso BL
In den USA wie auch in der Schweiz wird General Sutter bis heute als Held gefeiert. Johann August Sutter gilt als Gründer von Sacramento, der Hauptstadt Kaliforniens.

In den USA wie auch in der Schweiz wird General Sutter bis heute als Held gefeiert. Johann August Sutter gilt als Gründer von Sacramento, der Hauptstadt Kaliforniens.

Frank Buchser/Wikimedia

Darum gehts

  • In Rünenberg BL, dem Heimatort von Johann August Sutter, überdeckten die Juso am Donnerstagmorgen die Gedenktafel des Volkshelden.
  • Der Baselbieter, der in Kalifornien als Pionier in die Geschichte einging, baute seinen Wohlstand auf Zwangsarbeit und dem Handel mit Sklaven und Indianerkindern.
  • Die Juso fordern, dass die dunkle Seite von Sutters Geschichte besser beleuchtet und das Denkmal seinen Opfern umgewidmet wird.

Die «Black Lives Matter»-Bewegung rüttelt auch an der Vergangenheit. In Bristol wurde vergangene Woche das Denkmal des Sklavenhändlers Edward Colston im Meer versenkt. In Zürich wird das Escher-Denkmal infrage gestellt, weil der Sklavenhandel in der Vermögensbildung der einflussreichen Familie eine prominente Rolle spielte, und im Baselbiet erhält die dunkle Seite des Volkshelden Johann August Sutter, besser bekannt als General Sutter, neue Aufmerksamkeit.

Die Baselbieter Jungsozialisten haben in den frühen Morgenstunden am Donnerstag die Gedenktafel Sutters in Rünenberg überdeckt und mit einer klaren Botschaft versehen: «Keine Denkmäler für Sklavenhalter!» Sutter, der als Pionier nach Kalifornien auswanderte, baute den Wohlstand seines Imperiums Neu-Helvetien auf Sklavenhandel und Zwangsarbeit. Im Baselbiet wie auch in Sacramento wird er aber nach wie vor als schillernder Abenteurer und Pionier verehrt. In der Kalifornischen Hauptstadt, die aus «Neu-Helvetien» hervorging steht eine drei Meter grosse Bronzestatue. Erstellt wurde sie auch mit Spenden aus dem Kanton Baselland.

Kein Wort verliere etwa Baselland Tourismus über den Sklavenhandel, kritisieren die Juso. «Der Gedenkstein muss in Erinnerung an die Menschen, die den Reichtum von Sutter mit ihrer Freiheit und ihrem Leben bezahlt haben, umgewidmet werden», verlangt nun Juso-Präsidentin Anna Holm. Zudem müsse der Kanton seine Rolle in der Geschichte der Sklaverei aufarbeiten.

Sutters wenig heldenhaftes Gebaren wurde letztes Jahr von der Historikerin Rachel Huber aufgearbeitet und in der Schweizerischen Zeitschrift für Geschichte publiziert. Dabei stützte sie sich auf Berichte von Weggefährten Sutters, wie seinem langjährigen Angestellten Heinrich Lienhard, dessen Memoiren schon lange in den Archiven der Universität Berkeley lagen.

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201 Kommentare
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Gertrude M.

12.06.2020, 14:45

Liebe Jusos, kümmert euch um aktuelle Themen. Oder wisst nicht um welche? Denkmäler und Mahnmale sollen an die Vergangenheit erinnern. Wenn sie weg sind, wird die Zukunft nicht besser. Und was habt ihr Gutes getan? Wird wohl nie ein Denkmal geben. Dafür hätte es viele Sozidenkmäler, die man abreissen könnte. Aus dem Sozialismus ist noch nie was Gutes erwachsen - ausser für die Parteibonzen.

Denk mal

12.06.2020, 08:44

wer Denkmäler, Mahnmale oder andere kulturhistorische Bauten schändet, weil sie nicht in sein derzeitiges Weltbild passen zeigt einfach nur das er keinen Respekt gegenüber seiner eigenen Entstehungsgeschichte hat. Warum heisst es wohl Denk mal? eben drum, aber Parolen schreien und Dinge zerstörendie einem nicht in den Kram passen ist für viele leider einfacher als Denken.

Baselbieter

12.06.2020, 07:29

Wir sind auch Sklaven der Wirtschaft und Technologie