Krawalle nach FCZ-Match: Keine FCZ-Fans in Haft, weil zu viele Steine flogen
Aktualisiert

Krawalle nach FCZ-MatchKeine FCZ-Fans in Haft, weil zu viele Steine flogen

Am Sonntagabend kam es nach dem Fussballspiel FCSG – FCZ zu Ausschreitungen am Bahnhof Winkeln. Aufgrund des massiven Beschuss mit Steinen nahm die Polizei niemanden fest.

von
jeb
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Am Sonntagabend (28.10.2018) ist es nach dem Fussballspiel FCSG – FCZ am Bahnhof Winkeln zu Ausschreitungen gekommen.

Am Sonntagabend (28.10.2018) ist es nach dem Fussballspiel FCSG – FCZ am Bahnhof Winkeln zu Ausschreitungen gekommen.

Stapo SG
Anhänger des FCZ bewarfen die Polizei mit Schottersteinen, Pyros und Knallkörpern.

Anhänger des FCZ bewarfen die Polizei mit Schottersteinen, Pyros und Knallkörpern.

Stapo St.Gallen
Die Polizei geriet unter massiven Beschuss seitens der gewaltbereiten Personen.

Die Polizei geriet unter massiven Beschuss seitens der gewaltbereiten Personen.

Stapo SG

Drei verletzte Polizisten, Unterbruch der Bahnstrecke St. Gallen–Gossau SG, Sachschaden in noch unbekannter Höhe, ein defekter Fanzug – das die Bilanz nach den Krawallen von FCZ-Fans im Nachgang zum Fussballspiel FC St. Gallen gegen FC Zürich (3:2) am Sonntagabend.

«Festnahmen gab es keine», sagt Dionys Widmer, Sprecher der Stadtpolizei St. Gallen. «Der Beschuss mit Steinen, Eisenstangen und Pyros war zu gross.» Trauriger Schluss: Wer die Polizei genügend attackiert, kommt ungeschoren davon. Jedenfalls kurzfristig. «Wir sichten über die nächsten Tage Videomaterial und versuchen so, Tatverdächtige zu identifizieren und zur Anzeige zu bringen», sagt Widmer. «Es wäre gefährlich gewesen, näher an die Randalierenden ranzugehen.»

Auch ohne den Versuch von Festnahmen kamen Polizisten zu Schaden. Beim Einsatz wurden drei Polizisten leicht bis mittelschwer an Beinen und Füssen verletzt. «Sie wurden mit der Sanität ins Spital gebracht, konnten dieses aber noch am selben Abend wieder verlassen», sagt Widmer. Wann die Betroffenen den Dienst wieder aufnehmen können, sei noch nicht klar.

Dass die Polizei wegen zu viel fliegender Steinen keine Verhaftungen vornimmt, ist für Stadtparlamentarier Heini Seger (SVP) zu viel des Guten: «Das ist vollkommen paradox. Es kann nicht sein, dass unter den Ultras die Formel gilt, je mehr Steine fliegen, desto weniger muss man mit Konsequenzen rechnen.» Wer Gewalt anwende, der dürfe nicht davon kommen. Seger würde sich wünschen, dass die Polizei die Ultras einkesselt und die Personalien aufnimmt.

Extrazug beschädigt

Weshalb es zur Auseinandersetzung der Krawallmacher mit der Polizei kam, ist nicht bekannt. «Es laufen Abklärungen», so Widmer. Zunächst sah es nach einem friedlichen Fussballabend aus. Die Zuschauer seien ruhig vom Stadion zum Bahnhof gegangen und in den Extrazug eingestiegen. «Der Zug war zur Abfahrt bereit, als einige Personen wieder ausstiegen», sagt Widmer. Weshalb, sei unklar. Im Anschluss kam es zu den Ausschreitungen.

Der Fanzug war danach beschädigt und konnte nicht Richtung Zürich abfahren. Es musste ein Ersatzzug organisiert werden.

«Grund war ein Luftverlust, weshalb das Bremssystem des Zuges nicht mehr funktionierte. Die Ursache für diese Beschädigung ist in Klärung», sagt SBB-Mediensprecher Christian Ginsig auf Anfrage. Für die Reparaturkosten kommt die SBB auf, sofern der Schaden nicht einer Person zugewiesen werden kann. «Wir reichen in jedem Fall Anzeige gegen Unbekannt ein.»

Während den Ausschreitungen kam es zu Zugsausfällen und Umleitungen. Der Ersatzzug konnte schliesslich kurz nach 20 Uhr – eineinhalb Stunden später als geplant – die Fahrt Richtung Zürich aufnehmen.

Viehtransporter

Auf Social Media äussern sich viele User dezidiert zu den Vorfällen: «Diese Leute hätte man zu Fuss nach Hause schicken sollen», schreibt einer. Ein anderer meint, man würde für die Fans am besten nur noch ein Viehtransporter zur Verfügung stellen.

So weit wird es nicht kommen. «Die SBB unterliegt der Transportpflicht. Wir müssen ein Angebot zur Verfügung stellen.» Extrazüge organisiere man, um die Fans von «normalen» Reisenden trennen zu können. Damit habe man gute Erfahrungen gemacht.

Ausschreitungen nach Match FCSG - FCZ

Am Sonntagabend (28.10.2018) kam es nach dem Fussballspiel FCSG – FCZ zu Ausschreitungen am Bahnhof Winkeln SG. Ein Leser-Reporter filmte eine Szene.

Ein Leser-Reporter beobachtete die Krawalle. «Die Ausschreitungen dauerten rund eine Stunde. Bei einer Baustelle in der Nähe bewaffneten sich die Gewalbereiten mit Steinen.» Video: Leser-Reporter

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