Keine Feiern zum Thronjubiläum von Juan Carlos
Aktualisiert

Keine Feiern zum Thronjubiläum von Juan Carlos

Der 22. November 1975 war für Spanien ein wichtiges Datum: König Juan Carlos wurde nach dem Tod Francos offiziell zum König erklärt.

Damit endete die Zeit der Diktatur unter General Franco, der das Land 40 Jahre lang mit eiserner Faust regiert hatte. Juan Carlos war von ihm als Nachfolger auserkoren, er sollte seine Arbeit weiterführen. Doch der junge König widersetzte sich und kündigte schon in seiner erste Ansprache vor dem Parlament an, die Demokratie in Spanien wieder einsetzen zu wollen. Offiziell gefeiert wird die seit 30 Jahren andauernde Regentschaft des Königs allerdings nicht.

Für den Historiker Charles Powell von der Universität San Pablo ist das keine Überraschung. Am Todestag Francos, dem 20. November 1975, «haben die Menschen nicht gerade vor Freude auf den Strassen getanzt. Zwei Tage später, als Juan Carlos zum König ausgerufen wurde, war der Schatten der Diktatur immer noch überragend. Die Menschen waren besorgt, hatten sogar Angst. Viele Menschen haben Francos Tod nicht als Befreiung gesehen. Es gab zu viele Unsicherheiten.»

Dass auch heut zu Tage nicht gefeiert wird, bedeutet laut Powell allerdings nicht, dass Juan Carlos in Zweifel gezogen wird. «Spanien feiert lieber die Verfassung vom Dezember 1978, die Juan Carlos wirklich legitimierte», erklärt der Historiker. Schliesslich trage das Datum des 22. Novembers ein Stigma.

In den vergangenen 30 Jahren hat der spanische König beim Volk eine Beliebtheit erreicht wie kaum ein anderer Monarch in Europa. Dabei sah es zunächst nicht so aus, als könne aus dem 1938 im römischen Exil geborenen Juan Carlos einmal ein Verfechter der Demokratie werden. Nach der Schulausbildung in der Schweiz und Portugal übergab der Vater, Don Juan Graf von Barcelona, seinen damals zehnjährigen Sohn in die Hände von General Franco, der Spanien 1947 formell wieder zur Monarchie machte - allerdings ohne einen König bis zu seinem Ableben.

Franco wollte seinen Nachfolger selbst bestimmen und wählte dafür eben Juan Carlos aus. Der Diktator schickte ihn auf die besten Schulen, es folgten eine Militärausbildung und ein Studium der Politologie, Volkswirtschaft, Philosophie und Literaturgeschichte.

Nach der Thronbesteigung bemühte sich Juan Carlos trotz seiner eng gesteckten Machtbefugnisse um die Durchsetzung demokratischer Reformen. Er entliess den zaudernden Ministerpräsidenten Arias Navarro und ernannte den weitgehend unbekannten Adolfo Suárez zu dessen Nachfolger. Beide betrieben nun gemeinsam den Abbau des diktatorischen Staatsapparats. Die ersten freien Wahlen folgten 1977, eine moderne Verfassung stützte 1978 den politischen Umbau ab.

Weltweite Anerkennung fand Juan Carlos nach dem Putschversuch von Offizieren der Streitkräfte. Die Aufständischen hatten offenbar mit der Rückendeckung des Königs gerechnet. Dieser stellte sich jedoch in einer Ansprache ans Volk klar hinter den Prozess der Demokratisierung und bekannte sich zur Verfassung, so dass der Putsch scheiterte.

Integrationsfigur des neuen Spaniens

Als Integrationsfigur des neuen Spaniens reiste Juan Carlos ins Ausland, um dort den Reformwillen der Regierung zu bekräftigen und sich für die Aufnahme in die Europäische Union und den Verbleib in der NATO einzusetzen. Beide Ziele erfüllten sich 1986. In den folgenden Jahren führte der König sein Land durch einen beispiellosen Aufschwung, 1992 blickte die Welt nach Spanien, wo die Weltausstellung und die Olympischen Spiele stattfanden.

Privat führt Juan Carlos seit über 40 Jahren ein skandalfreies Leben. Er ist seit dem 14. Mai 1962 mit Prinzessin Sophia von Griechenland verheiratet. Erst kürzlich feierte das Land die Geburt von Leonor, der Tochter von Thronfolger Felipe und seiner Ehefrau Letizia. Felipes Schwestern Elena und Cristina schenkten dem König schon fünf weitere Enkelkinder. (dapd)

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