Bye-bye Geweih: Warum Elche ihr Geweih abwerfen müssen

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Bye-bye GeweihKeine Frage des Wollens – warum Elche ihr Geweih abwerfen müssen

«Wie ein Lottogewinn» – dem kanadischen Wildtier-Liebhaber Derek Keith Burgoyne ist etwas gelungen, was nur wenigen Menschen gelingt: Den Moment zu filmen, in dem ein Elch sein Geweih abwirft. Das steckt hinter dem alljährlichen Prozedere.

von
Fee Anabelle Riebeling

Darum gehts

  • Jedes Jahr lassen sich Elche und andere Hirschartige aufs Neue ein Geweih stehen, nur um es nach wenigen Monaten wieder abzuwerfen. 

  • Bei dem Hin und Her handelt es sich nicht bloss um eine Laune der Natur, sondern es dient wichtigen Aufgaben. 

  • Geweihe können über Leben und Tod entscheiden – und über die Chancen beim anderen Geschlecht.

Auch wenn es nur selten von Menschen beobachtet wird, ist das Abwerfen des Geweihs ein normaler jährlicher Vorgang bei männlichen Elchen, Hirschen und anderen Mitgliedern der Familie der Hirschartigen. Einmal pro Jahr heisst es für sie «Bye-bye Geweih» (siehe Video). Bei Karibus und Rentieren gilt das auch für die weiblichen Tiere.

Doch warum trennen sich die Tiere von ihrem Geweih? Rinder, Schafe und Ziegen behalten ihre Hörner doch auch ein Leben lang?

Geweihe «pulsieren vor Leben»

Zwischen Hörnern und Geweih besteht ein riesiger Unterschied. Erstere bestehen aus Knochen und Keratin und sind Teil des Schädels. Sie sind leblos und wachsen nur, weil an ihrer Basis neues Material hinzugefügt wird. Ganz so wie es auch bei unseren Finger- und Fussnägeln oder auch bei unseren Haaren der Fall ist.

Geweihe dagegen sind nicht fest mit dem Schädel ihrer Besitzer verwachsen und «pulsieren vor Leben», wie Nationalgeographic.com schreibt. Es handelt sich bei ihnen um Gewebe, das von zahlreichen Blutgefässen durchzogen ist, durch die Kalzium, Phosphor und andere Nährstoffe zu den darunterliegenden wachsenden Knochen transportiert werden. Geweihe wachsen jeweils vom frühen Frühjahr bis zum Ende des Sommers (siehe Box).

Geweihe im «Guinnessbuch der Rekorde»

Die Geweihe von Elchen, auch Krone genannt, wachsen so schnell, dass sie es im Jahr 2016 sogar ins «Guinnessbuch der Rekorde» geschafft haben – als am schnellsten wachsendes Gewebe bei Säugetieren. Während des Sommers, wenn die Geweihbildung bei Elchen ihren Höhepunkt erreicht, kann ihr Geweih jeden Tag bis zu 2,5 Zentimeter wachsen. So können die mächtigsten Tiere ein Geweih von 36 Kilogramm ausbilden, wobei jeden Tag 0,5 Kilogramm Knochen hinzukommen.

Problematische Doppelfunktion

Das Ausbilden, aber auch das Abwerfen der Geweihe geschieht aus gutem Grund: Durch das Entledigen ihrer riesigen Geweihe werden die Elche auf einen Schlag Dutzende Kilogramm los. Dadurch können sie mehr Energie sparen, um sich auf den Winter vorzubereiten. Dass sie sich überhaupt eine Krone stehen lassen, ist dagegen mehreren Aspekten geschuldet. So hält ein imposantes Geweih potenzielle Fressfeinde wie Wölfe auf Abstand und wirkt auf Konkurrenten im Kampf um ein Weibchen abschreckend. Auf das umgarnte Weibchen wirkt es dagegen attraktiv.

Diese Doppelfunktion der Krone beschert den Elchbullen Probleme, wie Forschende der University of Montana im Fachjournal «Nature Ecology & Evolution» festgehalten haben: Um in der Paarungszeit beim auserkorenen Weibchen punkten zu können, brauchen sie ein möglichst imposantes Geweih. Ein solches bekommen sie aber nur, wenn sie ihr altes nach dem Paaren möglichst schnell abwerfen. Wird die Krone aber früh im Jahr abgestossen, stürzen sich gemäss der Studie deutlich mehr Wölfe auf die geweihlosen Bullen und ihre Gruppen.

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Ein Elch zu sein, ist gar nicht so einfach. Laut Forschern der University of Montana stehen sie vor der Herausforderung, den besten Kompromiss aus Fortpflanzungs- und Überlebenschancen zu finden.

Ein Elch zu sein, ist gar nicht so einfach. Laut Forschern der University of Montana stehen sie vor der Herausforderung, den besten Kompromiss aus Fortpflanzungs- und Überlebenschancen zu finden.

Ryan Hagerty/U.S. Fish and Wildlife Service/PD
Denn das Geweih der Tiere hat eine Doppelfunktion, die ihnen Probleme bereitet, wie die Forscher um Matthew C. Metz im Fachjournal «Nature Ecology & Evolution» berichten.

Denn das Geweih der Tiere hat eine Doppelfunktion, die ihnen Probleme bereitet, wie die Forscher um Matthew C. Metz im Fachjournal «Nature Ecology & Evolution» berichten.

Getty Images/Portland Press Herald
Einerseits ebnet das Geweih den Tieren – das ist schon lange bekannt – den Weg zur Paarung.

Einerseits ebnet das Geweih den Tieren – das ist schon lange bekannt – den Weg zur Paarung.

iStock/Andyworks

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