Yuan: «Keine Grundlage für anhaltende Abwertung»

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Yuan«Keine Grundlage für anhaltende Abwertung»

Am dritten Tag in Folge senkt China den Wert der heimischen Währung. Nach der stärksten Abwertung seit 20 Jahren liegt der Kurs nun nahe am tatsächlichen Marktwert.

von
hae
Wird immer stärker: Ein US-Dollar ist damit 6,4010 Yuan wert. (13. September 2010) Foto: EPA/ Ym Yik

Wird immer stärker: Ein US-Dollar ist damit 6,4010 Yuan wert. (13. September 2010) Foto: EPA/ Ym Yik

Der Referenzwert des Yuan zum Dollar sei im Vergleich zum Vortag um 1,1 Prozent gesenkt worden, teilte das Devisenhandelssystem der Volksrepublik in Peking mit. Ein US-Dollar ist damit 6,4010 Yuan wert.

Bereits am Dienstag hatte die chinesische Notenbank den Referenzkurs der heimischen Währung überraschend um 1,9 Prozent gesenkt. Dieses Vorgehen wurde als «einmalige Aktion» bezeichnet. Aus Regierungskreisen verlautete jedoch, dass China eine Abwertung von fast zehn Prozent anstrebe.

Gestern senkte die chinesische Zentralbank den Referenzkurs des Yuan im Vergleich zum Dollar ein weiteres Mal um 1,6 Prozent – und verunsicherte damit Anleger in aller Welt. Die Aktienkurse gingen weltweit auf Talfahrt.

Es handelt sich um die stärkste Abwertung des Yuan seit mehr als 20 Jahren. China will damit der heimischen Exportindustrie unter die Arme greifen, die im Juli um mehr als acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen war. Mit einer schwächeren Währung werden die chinesischen Exporteure auf dem Weltmarkt wieder konkurrenzfähiger, so die Hoffnung.

Keine weitere Abwertung

China hat versucht, Sorgen vor einem weiteren Wertverlust des Yuan zu zerstreuen. Es gebe «keine Grundlage für anhaltende und umfassende Abwertung», sagte der stellvertretende Zentralbankgouverneur Zhang Xiaohui. Die chinesische Währung sei nach den Abwertungen der vergangenen Tage nun nahe am tatsächlichen Marktwert. Bis Donnerstagmittag (Ortszeit)fiel der Yuan aber noch einmal um 0,3 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Mittwoch. Sie werde beobachten, ob es ungewöhnliche grenzüberschreitende Devisenströme gebe. Zudem werde sie den Mechanismus zur Kursfestlegung des Yuan weiter verbessern, um normale Fluktuationen beim Wechselkurs sicherzustellen.

Der Vizegouverneur der chinesischen Zentralbank, Yi Gang, sagte, dass das Land im Rahmen der Liberalisierung der Finanzmärkte die Öffnung seines Devisenmarkts beschleunigen und mehr ausländische Investoren anlocken wolle.

«Es ist sehr gut möglich, dass wir in den nächsten ein, zwei Wochen einen Absturz des Wechselkurses gegenüber dem Dollar um zehn bis 15 Prozent sehen könnten», sagte Duncan Innes-Ker von der Economist Intelligence Unit.

Stahlindustrie senkt Ausfuhrpreise

In Reaktion auf die Abwertung des Yuan senkten chinesische Stahlhersteller nach Informationen von Insidern bereits die Exportpreise für Stahl. Einige kleine chinesische Firmen hätten den Preis für Bewehrungsstahl zum Bauen um fünf bis zehn Dollar je Tonne reduziert, verlautete aus Branchenkreisen am Mittwoch.

Chinas Stahlindustrie ist die grösste in der Welt. Eine geringere Nachfrage in der Volksrepublik hat viele Stahlproduzenten jedoch dazu gezwungen, Rekordmengen ins Ausland auszuführen.

Im Gegensatz zu anderen Währungen wie etwa dem Euro ist der Yuan kein frei schwankendes Zahlungsmittel. Die chinesische Zentralbank legt regelmässig einen Referenzwert fest, um den sich der Yuan begrenzt bewegen darf. (hae/sda)

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