Infektiologe Jan Fehr - «Keine harten Massnahmen und Omikron im Nacken – hoffen wir das Beste»
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Infektiologe Jan Fehr«Keine harten Massnahmen und Omikron im Nacken – hoffen wir das Beste»

Ob die Corona-Massnahmen des Bundesrats reichen werden, ist für Infektiologe Jan Fehr unklar. Vom Bundesrat fordert er einen Fahrplan.

von
Bettina Zanni

Darum gehts

  • Österreich habe vor über einer Woche einen Shutdown eingeläutet, eine Trendwende zeichne sich erst jetzt ab, sagt Infektiologe Jan Fehr.

  • Die Frage sei, ob die vom Bundesrat in die Vernehmlassung geschickten Massnahmen reichten.

  • «Stellt sich nicht bald eine Beruhigung ein, sollte rasch und koordiniert nachgebessert werden.»

Herr Fehr*, reichen die Massnahmen (siehe Video oben) des Bundesrats, um die Pandemie unter Kontrolle zu bekommen?
Ich bin froh, dass der Bundesrat wieder das Zepter übernommen hat und ein ganzes Massnahmenpaket in die Vernehmlassung geschickt hat. Die Frage ist aber, ob diese Massnahmen reichen. Österreich läutete vor über einer Woche einen Shutdown ein. Eine Trendwende zeichnet sich dort aber erst jetzt ab. Wir haben keine solch drastischen Massnahmen und gleichzeitig Omikron im Nacken. Wir wollen das Beste hoffen.

Welcher Weg wäre besser?
Das ist immer schwierig zu sagen. Aber denkbar wäre eine entschiedene Verlagerung hin zum Home-Office, eine breite Anwendung des Zertifikats und auch 2G wäre sehr ernsthaft in Betracht zu ziehen. In heiklen Situationen sogar 2G plus Maske, respektive 2G plus einen Test. Bei alledem ist ganz wichtig, dass der Bundesrat die Bevölkerung gut mitnimmt, indem er erläutert, wie nächste Massnahmenstufen aussehen könnten und worauf sich diese abstützen. Einen Fahrplan vorzulegen verschafft Orientierung, Übersicht und Ruhe.

Wie sieht ein solcher Plan aus?
Stellt sich nicht bald eine Beruhigung ein, sollte rasch und koordiniert nachgebessert werden. Es sollte zudem die Option geben, sogar ultrazeitnah nachzubessern, sollte sich zum Beispiel herausstellen, dass Omikron tatsächlich das Potenzial für eine sechste Welle hat. Dann brauchen wir kurzfristig einen Wellenbrecher mit noch weitergehenden Kontaktbeschränkungen. Parallel dazu muss alles dran gesetzt werden, die Boosterimpfungen voranzutreiben und auch noch Erst- und Zweitimpfungen durchzuführen.

Glauben Sie, dass Geimpfte Massnahmen, die auch sie treffen, nochmals mittragen werden?
Es ist für Geimpfte wirklich schwer verständlich, sich wieder einschränken zu müssen. Aber wir sind nun mal alle im gleichen Boot. Wir haben es im Sommer und Herbst trotz aller Anstrengung gemeinsam nicht geschafft, die Impflücken zu schliessen. Wir müssen zusammenhalten als Gesellschaft – koste es, was es wolle.

*Jan Fehr ist Infektiologe und Public- und Global- Health-Experte an der Universität Zürich.

*Jan Fehr ist Infektiologe und Public- und Global- Health-Experte an der Universität Zürich.

Martin Boyer

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