Schweiz: «Keine Hilfe und muss 95 Fr. zahlen» – Frau landet bei dubiosem Mieterschutz

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Schweiz«Keine Hilfe und muss 95 Fr. zahlen» – Frau landet bei dubiosem Mieterschutz

Mieter und Mieterinnen landen statt beim offiziellen Mieterverband oft beim «Mieterschutz Schweiz». Eine Zürcherin will andere vor der Firma warnen. 

von
Thomas Obrecht
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Weil eine Zürcherin Hilfe bei Mietfragen benötigte, wendete sie sich an den «Mieterschutz Schweiz».

Weil eine Zürcherin Hilfe bei Mietfragen benötigte, wendete sie sich an den «Mieterschutz Schweiz».

20min/Marco Zangger
«Ich bekam weder Hilfe bei den Mietfragen noch eine Rückmeldung und muss trotzdem 95 Franken für ein Abo zahlen», ärgert sich die 26-Jährige. 

«Ich bekam weder Hilfe bei den Mietfragen noch eine Rückmeldung und muss trotzdem 95 Franken für ein Abo zahlen», ärgert sich die 26-Jährige. 

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Eine Zürcherin (26) machte kürzlich eine schlechte Erfahrung mit der Firma «Mieterschutz Schweiz».

  • Wie die Frau sagt, erhielt sie bei ihren Mietfragen keine Hilfe, muss aber trotzdem die Abo-Kosten zahlen. 

  • Bereits 2016 berichtete «Kassensturz» über die Firma. 

Gibt man den Begriff «Mieterschutz» bei Google ein, erscheint als erster Eintrag «Mieterschutz Schweiz». Diese Erfahrung hat auch eine Frau aus Zürich gemacht: «Ich benötigte dringend Hilfe bei Mietfragen und stiess dabei auf die Firma. Ich rief mehrfach erfolglos bei der Hotline an. Schliesslich füllte ich das Online-Formular aus und schloss dabei eine Mitgliedschaft ab. Doch auch die schriftliche Anfrage blieb unbeantwortet», erzählt die 26-Jährige.

Wochen später habe sie dann eine Rechnung in Höhe von 95 Franken erhalten. «Ich sah es nicht ein, diese zu bezahlen. Ich hatte bisher weder Hilfe noch eine Rückmeldung erhalten.» Per Mail bat sie die Firma, die Mitgliedschaft zu stornieren – jedoch ohne Erfolg. «Ich wurde vertröstet, dass meine Mitgliedschaft per Ende Jahr gekündigt werde. Den Beitrag für dieses Jahr soll ich trotzdem bezahlen.» Da sie dies nicht akzeptieren wollte, schrieb sie erneut eine Nachricht. «Daraufhin erhielt ich eine sehr freche Antwort», so die Frau. 

In der E-Mail, die 20 Minuten vorliegt, heisst es unter anderem: «Es ist alles mehrfach auf der Website und in den AGB erwähnt, was also vor Abschluss der Mitgliedschaft gelesen werden kann, und erst noch in deutscher Sprache. Wer lesen kann, ist manchmal im Vorteil.» Für die 26-Jährige ein Schock: «Ich arbeite im Kundenbereich und finde so einen Umgang mit Kunden und Kundinnen inakzeptabel.» Die 26-Jährige möchte nun so schnell wie möglich damit abschliessen: «Ich werde die Rechnung bezahlen, da ich keine Betreibung möchte. Mir ist es aber wichtig, andere Personen zu warnen.»

Laut Rudolf Studer, Rechtsanwalt bei der Kanzlei SLP in Aarau, kann man nur aus einem laufenden Vertrag austreten, wenn das in den AGBs auch so vorgesehen ist. «Hat der Kunde oder die Kundin keine solche Kündigungsmöglichkeit abgemacht, ist das Geld für dieses Jahr weg», sagt Studer. Ein Kündigen auf Ende Jahr verhindere nur, dass die Mitgliedschaft nicht automatisch verlängert werde. «Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Betrag für dieses Jahr bezahlt werden muss.» Das Unternehmen könne demnach den Betrag rechtlich einfordern und den Kunden oder die Kundin bei Nichtbezahlen betreiben. Handelt es sich allerdings um einen einfachen Auftrag, könne dieser von Gesetzes wegen jederzeit gekündigt werden.

«Die Betroffenen glauben, sich bei uns eingeschrieben zu haben»

2016 berichtete «Kassensturz», dass Mieter und Mieterinnen statt beim offiziellen Mieterverband beim «Mieterschutz Schweiz» landen, einer Firma mit Sitz im Kanton Zug. Die Tipps seien dabei oberflächlich, die Hotline oft nicht besetzt. Unzufriedenen Kunden und Kundinnen drohe das Unternehmen zudem mit Betreibung.

Wie Walter Angst, Co-Geschäftsleiter des Mieterinnen- und Mieterverbandes Zürich, auf Anfrage sagt, melden sich regelmässig Leute, die auf das Unternehmen reingefallen sind. «Die Betroffenen glauben, sich bei uns eingeschrieben zu haben, doch in Wirklichkeit sind sie auf eine Masche reingefallen. Die Firma kopiert die Inhalte von unserer Website und setzt ihr Logo drauf, um ihre Website professioneller zu machen», so Angst.

Wegen Urheberrechtsverletzungen habe der Verband schon mehrfach geklagt. Das Zuger Obergericht lehnte im Oktober 2021 entsprechende Urheberrechtsverletzungen ab. Es bestehe keine Verwechslungsgefahr. Es verurteilte den Inhaber aber wegen mehrfachen Verstosses gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb unter anderem zu einer Geldstrafe von 11’500 Franken. «Wir verfolgen das Geschäftsgebahren des Gebüssten und hoffen, dass er die Geschäftstätigkeit von sich aus einstellt», so Angst. 

Die Firma liess eine Anfrage von 20 Minuten unbeantwortet.

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