Arbeitsmarktbilanz: Keine neuen Jobs – Börsen sacken ab
Aktualisiert

ArbeitsmarktbilanzKeine neuen Jobs – Börsen sacken ab

In den USA wurde im August statt der erwarteten 70 000 keine einzige neue Stelle geschaffen. Die Schweizer Börse fiel 3,8 Prozent ins Minus, der Euro unter die Grenze von 1,11 Franken.

Der DAX stürzte nach Bekanntgabe der schlechten Arbeitsmarktzahlen aus den USA.

Der DAX stürzte nach Bekanntgabe der schlechten Arbeitsmarktzahlen aus den USA.

Der US-amerikanische Arbeitsmarkt erholt sich nicht. Im August wurden unter dem Strich keine neuen Arbeitsplätze geschaffen. Die Arbeitslosenquote stagniert bei 9,1 Prozent, wie das Arbeitsministerium am Freitag mitteilte.

Ökonomen hatten erwartet, dass 70 000 neue Stellen geschaffen würden. Eine schlechtere Arbeitsmarktbilanz hatte es zuletzt im September 2010 gegeben, als die Zahl der Arbeitsplätze zurückging.

Allerdings trug auch ein Sondereffekt zum schwachen Ergebnis bei: Wegen eines Streiks beim Telekomkonzern Verizon fielen 45 000 Beschäftige aus der Bilanz heraus.

Börsen und Euro tauchen ab

Die enttäuschenden Arbeitsmarktdaten aus Amerika haben die Börsen und den Euro weiter in den Keller getrieben. Die Schweizer Börse tauchte unmittelbar nach Bekanntgabe der Daten um 3,8 Prozent ins Minus.

Danach erholte sich das Börsenbarometer der Grosskonzerne SMI wieder leicht und notierte gegen 14.50 Uhr noch um 3,4 Prozent tiefer auf 5344,34 Punkten. Auch die anderen Börsen in Europa gingen auf Talfahrt. So gab der deutsche DAX um 3,6 Prozent nach, während die Pariser Börse um 3,4 Prozent sank. London lag derweil um 2,4 Prozent im Minus.

Auch der Euro tauchte ab und fiel unter die Grenze von 1,11 Franken. Um 14.50 Uhr kostete ein Euro lediglich noch 1,1085 Franken. Der Dollar wurde für 0,7770 Fr. gehandelt. Das sind fast 2 Rappen weniger als am Vortagesschluss.

Wachstumsprognosen nach unten korrigiert

Neben der Bekanntgabe der enttäuschenden Entwicklung musste das Arbeitsministerium auch die provisorischen Zahlen für Juni und Juli korrigieren: In den beiden Monaten wurden 58 000 Stellen weniger geschaffen als bisher geschätzt.

Am Donnerstagabend hatte das amerikanische Präsidialamt bereits eine Korrektur der Wachstumsprognosen nach unten bekanntgegeben. Das Bruttoinlandprodukt wird demnach im laufenden Jahr nur um 1,7 Prozent statt um 2,6 Prozent wachsen, wie die Regierung bislang erwartet hatte. Die Prognose für 2012 wurde von 2,7 auf 3,6 Prozent gesenkt.

Die Entwicklung am Arbeitsmarkt ist entscheidend für die Konsumausgaben, die wiederum rund zwei Drittel des Bruttoinlandprodukts in den USA ausmachen. Der Konsum leidet auch unter der schwachen Lohnentwicklung. Die Stundenlöhne fielen im August um durchschnittlich 0,2 Prozent.

Obamas Wahlchancen sinken

Die trüben wirtschaftlichen Aussichten gefährden die Wiederwahl von Obama im kommenden Jahr. Der Präsident will am 8. September seine Pläne für mehr Wachstum und Beschäftigung vorlegen. «Die Projektionen machen deutlich, dass die Wirtschaft rasch angekurbelt werden muss», sagte der Chefhaushälter im Präsidialamt, Jack Lew.

Experten bezweifeln, dass ein kräftiger Abbau des Staatsdefizits angesichts widriger Rahmenbedingungen gelingen wird. «Der Präsident geht davon aus, dass das Defizit von 1,3 Billionen Dollar auf 473 Milliarden Dollar 2014 sinkt. Sollen wir das wirklichen glauben?», fragte Chris Edwards vom Cato Institute in Washington. «Das scheint doch einer sehr optimistische Annahme zu sein.»

(sda)

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