Aktualisiert 15.02.2006 22:14

Keine Ruhe im Toggenburg: SVP-Mann will Entschuldigung

Auch nach Aufklärung des so genannten Rassismusskandals kehrt im Toggenburg keine Ruhe ein. Nach vorschnellen, massiven Angriffen auf die SVP verlangt die Partei nun Rehabilitation.

Die Wogen im Toggenburg sind nach der Skandalgeschichte um die vermeintlich rassistisch motivierten Angriffe auf eine Arztfamilie nur scheinbar geglättet. Viele Toggenburger sehen sich zu Unrecht verunglimpft.

Einen besonders bitteren Nachgeschmack hinterlässt die Geschichte beim lokalen SVP-Exponenten Christian Mannhart. Er, ehemals SVP-Präsident von Unterwasser, hat seinen Posten abgegeben, weil er und seine Familie auf dem Höhepunkt der Krise massiv bedroht worden waren.

Zwar wurde dafür mittlerweile ein 83-jähriger Mann aus Lichtensteig zur Zahlung von 950 Franken verurteilt, weil er am Telefon zu Mannharts Frau gesagt hatte, man müsste ihren Mann erschiessen – und sie gleich dazu.

Doch damit ist es für Mannhart nicht getan: «Mich stört einfach, dass sich all die anderen Täter, die sich auf uns eingeschossen haben, nicht entschuldigen wollen: Der Chefredaktor des ‹Tagblatts›, der Pfarrer, der in der Weihnachtsmesse die SVP angegriffen hat, und die Leute im Dorf, die meine Frau nicht mehr grüssten.»

Doch Mannhart kritisiert auch die SVP-Oberen: «Keiner von denen, die sich jeweils am Buurezmorge sonnen, hat uns unterstützt, als wir mitten im Schlamassel steckten.» Dies sei mit ein Grund, warum er das Amt abgegeben habe.

Gaudenz Looser

Auch Journalist erhielt Todesdrohung

«Jagdszenen im Fremdenfeindesland» – der Artikel in der «Weltwoche» zur «Rassismus-Affäre» im Toggenburg – zeichnete die Ereignisse um eine Frau in psychischer Not differenziert nach und stellte die Fehlleistungen verschiedener Akteure bloss. SVP-Präsident Toni Brunner will den Artikel deshalb in einem Prospekt nachdrucken lassen, «weil all die Zeitungen, die über das Toggenburg hergefallen sind, jetzt plötzlich schweigen». Der Autor des Artikels, Alex Baur, hat indessen nicht nur positive Reaktionen: Ein Unbekannter hat ihm per Mail mit dem Tod gedroht.

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