Googles Bücher-Schlacht: Keine Schweizer Bücher im Netz
Aktualisiert

Googles Bücher-SchlachtKeine Schweizer Bücher im Netz

Google und die US-Verleger haben eine abgemilderte Version der umstrittenen Vereinbarung für die Bereitstellung von digitalisierten Büchern im Internet vorgelegt. Neu sind nur noch in englischsprachigen Ländern verlegte Bücher im Deal inbegriffen. In der Schweiz aufgelegte Texte werden damit nicht im Google-Angebot sein.

Damit fallen mehr als 95 Prozent der bisher anvisierten Bücher - auch die deutschsprachigen - aus dem Vertrag hinaus. Zusammen mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels hatte der Schweizerische Buchhändler- und Verlegerverband SVBB gegen den Deal protestiert: Unter den Vertrag wären auch urheberrechtlich geschützte Bücher aus Europa gefallen.

Dass die hiesige Buchproduktion nun ganz ausgeschlossen wird, bereitet nicht nur eitel Freude. «Der Markt, den Google bedient, wird weitergehen. Man steht nun daneben und wird nicht mehr erfasst», gab der Vorsteher des Börsenvereins, Gottfried Honnefelder, gegenüber Deutschlandradio zu bedenken. Nun sei es notwendig, auch in Europa ähnliche Mechanismen aufzubauen.

Das sieht Google selber so vor: Man wolle mit den Rechte-Inhabern aus aller Welt zusammenarbeiten, um der Vision von einem besseren Zugriff auf alle Bücher der Welt näher zu kommen, sagte Google-Manager Dan Clancy. In den europäischen Ländern würden Gespräche mit den Rechteinhabern bald beginnen.

Lieber «Europeana» als «Google»

Börsenverin-Vorsteher Honnefelder will aber auf ein anderes Pferd setzen, wie er am Sonntag in einem Communiqué mitteilte: Er befürwortet die Schaffung einer Deutschen Digitalen Bibliothek als Teil der bestehenden Online-Bibliothek «Europeana».

Diese bietet derzeit Zugriff auf zwei Millionen Bücher und Dokumente, Musik, Fotos, Karten, Gemälde und Filme. In zwei Jahren soll sie zehn Millionen Werke umfassen. Mit dabei ist auch die Schweizerische Nationalbibliothek (NB), sie lieferte digitalisierte Zeichnungen von Friedrich Dürrenmatt.

Vergriffenes zugänglich machen

Die neue Vereinbarung in den USA sieht auch vor, dass Google-Konkurrenten wie Amazon oder Microsoft der Zugang zu eingescannten Büchern erleichtert wird. Über den Vorschlag muss nun ein New Yorker Richter entscheiden.

Google will mehrere Millionen Bücher aus Universitäten und Büchereien einscannen und ins Netz stellen. Im ersten Abkommen zu «Google Books» hatte sich der Suchmaschinen-Gigant verpflichtet, 125 Millionen Dollar für diese Online-Buchauswertung zu zahlen. An dem finanziellen Rahmen soll sich auch in der neuen Version nichts ändern.

Bislang hat Google etwa sechs Millionen vergriffene Bücher eingescannt und teilweise online zugänglich gemacht. (sda)

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