Zürcher Obergericht: Keine Strafreduktion für Koksdealer
Aktualisiert

Zürcher ObergerichtKeine Strafreduktion für Koksdealer

Ein holländischer Drogenkurier hat in Kloten ausgerechnet zwei Flughafenangestellte dazu angestiftet, kiloweise Kokain am Zoll vorbei zu schmuggeln. Er muss dafür für sechs Jahre hinter Gitter.

von
Attila Szenogrady
Ein holländischer Drogenkurier hat in grossem Stil Kokain in die Schweiz schmuggeln lassen.

Ein holländischer Drogenkurier hat in grossem Stil Kokain in die Schweiz schmuggeln lassen.

Selbst die drei erfahrenen Oberrichter zeigten sich von der raffinierten Methode des heute 56-jährigen Angeklagten massiv beeindruckt. Einer von ihnen sprach sogar von einer neuen Kategorie des Verbrechens. So habe der Angeschuldigte das Sicherheitssystem des Flughafen Klotens nicht nur unterlaufen, sondern auch missbraucht, erklärte Oberrichter Martin Burger.

Die Vorwürfe gegen den in Ghana geborenen Holländer waren vor Obergericht nicht mehr bestritten. Demnach hatte er ab Herbst 2008 einen Angestellten des Flughafen Klotens dazu überredet, Kokain über die Grenze zu bringen. Allerdings wollte sich der Flughafen-Mitarbeiter selber nicht die Hände dreckig machen und organisierte einen Berufskollegen aus dem Sicherheitsdienst.

Dieser liess sich als Schleuser anheuern und schlug am 28. November 2008 erstmals zu. Er nahm im Transitbereich von einem Drogenkurier einen Koffer mit fünf Kilogramm hochwertigem Kokain entgegen und schleuste das Rauschgift plangemäss persönlich durch unkontrollierte Dienstdurchgänge am Zoll vorbei. Danach begab er sich zu einer Bushaltestelle in Glattbrugg und übergab dort dem Holländer den Koffer. Für eine satte Belohnung von 10 000 Franken.

Aufgeflogen und verhaftet

Der Auftraggeber und die beiden Schleuser wollten in den folgenden Monaten zwölf weitere Kilogramm Kokain einführen. Allerdings hatten sie kein Glück mehr. Beim zweiten Transport wurde der südamerikanische Kurier vor der Übergabe mit rund acht Kilogramm Kokain erwischt. Beim dritten Streich im Mai 2009 tappte gleich das ganze Trio mit rund vier Kilo Schnee in die Falle.

Im letzten Dezember musste sich der teilgeständige Niederländer zuerst vor dem Bezirksgericht Bülach verantworten und kassierte damals sechs Jahre Freiheitsentzug.

Trotz Geständnis keine Strafsenkung

Die Verteidigung legte Berufung ein und verlangte am Dienstag vor Obergericht eine Strafsenkung auf vier Jahre Freiheitsentzug. Der Anwalt verwies einerseits auf das neue, umfassende Geständnis seines Klienten. Andererseits habe sein Mandant keine übergeordnete Funktion eingenommen. Er habe bloss die Befehle eines Drogenchefs namens «Happy» ausgeführt. Nicht zuletzt seien die beiden Schleuser inzwischen zu Freiheitsstrafen von vier und drei Jahren verurteilt worden, argumentierte er.

Ein Plädoyer ohne Erfolg. So gab es trotz Geständnis keine Strafsenkung. Es blieb bei den sechs Jahren Freiheitsentzug. Mit einer einfachen Begründung: Die Oberrichter stuften das Verschulden des holländischen Auftraggebers als so gravierend ein, dass das Bülacher Urteil zu milde ausgefallen sei. Ob die Entscheide gegen die beiden ehemaligen Flughafen-Angestellten inzwischen in Rechtskraft erwachsen sind, blieb vor Obergericht unklar.

Deine Meinung