Keine Traumwelten bauen
Aktualisiert

Keine Traumwelten bauen

Bei touristischen Grossprojekten soll der Nachhaltigkeit künftig mehr Beachtung geschenkt werden.

Der Schweizer Heimatschutz warnt vor kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen und der Schaffung von Traumwelten.

Pläne für touristische Grossprojekte wie etwa in Andermatt (UR) oder in Champery (VS) hätten gegenwärtig Hochkonjunktur, hielt der Präsident des Schweizer Heimatschutzes (SHS), Philippe Bieler, am Freitag an einer Medienkonferenz in Champery fest. In Champery zum Beispiel plant der Immobilienkonzern «Maison de Biarritz» einen Ferienwohnungskomplex mit mehr als 900 Betten. Solche Projekte weckten nicht nur in Randregionen hochfliegende wirtschaftliche Hoffnungen und würden oft als einzige Überlebenschance dargestellt. Entsprechend schwierig sei es für Behörden und Bevölkerung, die Projekte kritisch zu hinterfragen. Die Gefahr bestehe, dass kurzfristige wirtschaftliche Interessen die Sicht auf eine nachhaltige Entwicklung und kulturelle Werte versperrten, warnt der SHS. Aus seiner Sicht ist bei der Planung von touristischen Grossprojekten den Themen Nachhaltigkeit, Standortwahl und Gestaltung wesentlich mehr Beachtung zu schenken, als dies bis heute der Fall war.

In seinem neusten Positionspapier unter dem Titel «Touristische Grossprojekte» formuliert der SHS mehrere Forderungen: So erachtet er zum Beispiel die Anbindung eines Resorts an bestehende touristische Infrastrukturen und an das bestehende Siedlungsgebiet als eine zentrale Anforderung an den Standort. Zudem sollten die Bauten auch in kultureller Hinsicht hohen Anforderungen genügen. Der Schweizer Heimatschutz fordert eine architektonische überzeugende Weiterentwicklung der Baukultur und lehnt die Schaffung von Traumwelten ab. Dass solche Grossprojekte beispielhaft in Bezug auf den Ressourcenverbrauch sein müssen, erachtet der SHS als selbstverständlich.

Gegen überbordenden Zweitwohnungsbau

Das Positionspapier soll Investoren, Behörden und Verbänden die Haltung und Erwartungen des Schweizer Heimatschutzes aufzeigen. Ziel ist es, dass diese Anliegen in frühen Planungsphasen berücksichtigt werden können und die Projekte damit an Qualität gewinnen.

Eine Aufhebung der Lex Koller schliesslich lehnt der SHS ab, solange das Raumplanungsgesetz keine griffigen Massnahmen gegen den überbordenden Bau von Zweitwohnungen vorsehe. Gegen die Ausnahmebewilligung, die der Bundesrat für das Tourismusresorts des ägyptischen Unternehmers Samih Sawiris in Andermatt im Kanton Uri erteilte, hat der SHS bereits protestiert. Gemäss der Vorsteherin des EJPD, Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf, soll es bei dieser Ausnahme bleiben. Es sei nicht anzunehmen, dass ein ausländisches Unternehmen ein gleichartiges Projekt und zudem in einer Region, in der die gleichen Voraussetzungen wie in Andermatt vorlägen, erstellen wolle, teilte Widmer-Schlumpf dem SHS am vergangenen 18. April mit. (dapd)

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