20.07.2017 12:48

Verbot unterlaufenKeine US-Drohnen? Dann Billig-Kopien aus China!

Die USA wollten nicht, dass Drohnen in falsche Hände geraten. Jetzt kaufen ihre Partner im Nahen Osten billige Kopien in China.

von
sut
1 / 6
Ein Renner an der Pariser Luftfahrtausstellung am 18. Juni 2017: Die chinesische Drohne Wing Loong II. Das unbemannte Flugzeug kann auch Lenkwaffen abfeuern.

Ein Renner an der Pariser Luftfahrtausstellung am 18. Juni 2017: Die chinesische Drohne Wing Loong II. Das unbemannte Flugzeug kann auch Lenkwaffen abfeuern.

AP/Michel Euler
Das chinesische Fluggerät sieht der amerikanischen Predator-Drohne auffallend ähnlich. Aus Amerikas Kriegen im Nahen Osten und in Afghanistan sind diese Drohne und ihr Nachfolgemodell Reaper nicht mehr wegzudenken. Bild: Predator MQ-1 am 17. Februar 2015.

Das chinesische Fluggerät sieht der amerikanischen Predator-Drohne auffallend ähnlich. Aus Amerikas Kriegen im Nahen Osten und in Afghanistan sind diese Drohne und ihr Nachfolgemodell Reaper nicht mehr wegzudenken. Bild: Predator MQ-1 am 17. Februar 2015.

Lt. Col. Leslie Pratt / Handout
Gegen den Einsatz von Drohnen im Antiterrorkampf wird immer wieder protestiert, so am 23. Mai 2013 vor der National Defense University in Washington.

Gegen den Einsatz von Drohnen im Antiterrorkampf wird immer wieder protestiert, so am 23. Mai 2013 vor der National Defense University in Washington.

epa/Jim lo Scalzo

Auf den Schlachtfeldern im Nahen Osten ist die gut gemeinte Vorsicht von Ex-Präsident Barack Obama nicht gut angekommen. Der frühere US-Präsident setzte alle Hebel in Bewegung, damit Amerikas unbemannte Flugkörper nicht von Streitkräften anderer Staaten eingesetzt werden und die Zivilbevölkerung bedrohen. Deshalb untersagte Obama den Export der erfolgreichen Drohnenmodelle Predator und Reaper an Alliierte in Nahost.

Interessierte Regierungen in der Region haben dieses Verbot nun unterlaufen. Wie das «Wall Street Journal» berichtet, sind chinesische Kopien der US-Drohnen in Jordanien, Ägypten und den Vereinten Arabischen Emiraten gesichtet worden. Saudiarabien hat sich im März mit China sogar geeinigt, Kampfdrohnen im Nahen Osten selbst herstellen zu lassen.

Verkäufe in mindestens zehn Länder

Die den amerikanische Vorbildern nachgebauten chinesischen Drohnen mit Typenbezeichnungen wie Wing Loong und Rainbow CH-3 sowie CH-4 sind laut Statistiken des Stockholm International Peace Research Institute (Sipri) in viele Länder verkauft worden: 20 Drohnen gingen nach Pakistan, 18 Drohnen nach Ägypten, zwölf nach Myanmar, fünf nach Nigeria, jeweils vier in den Irak, nach Saudiarabien und nach Turkmenistan und je zwei Drohnen nach Jordanien, Kasachstan und in die Emirate.

Chefdesigner Shi Wen von der Rainbow-Herstellerin China Aerospace Science and Technology Corp erklärte der Zeitung voller Stolz, seine Drohnenmodelle hätten sich «auf dem Schlachtfeld» bewährt. Im Jahr zuvor hätten lasergesteuerte Flugkörper chinesischer Bauart 300 Ziele getroffen.

China unterläuft Exportverbot

Für die USA ist dieser Trend doppelt nachteilig. Erstens unterläuft China die im Jahr 2015 erlassene Exportregel, die den Verkauf von US-Drohnen an Käufer begrenzt, die das internationale Völkerrecht beachten. Vergangenen Oktober unterzeichneten 45 Staaten eine von den USA angeregte gemeinsame Deklaration über die Ausfuhr von kampffähigen Flugdrohnen. Im Nahen Osten machten nur Jordanien und der Irak mit. China unterschrieb nicht.

Zweitens haben die US-Hersteller, die bei der Drohnenentwicklung eine Pionier-Rolle einnehmen, das Nachsehen. Amerikanische Drohnen sind ausserhalb der eigenen Streitkräfte bisher nur vom Vereinigten Königreich eingesetzt worden, einem engen Partner der USA. Das Geschäft machen jetzt die Chinesen mit ihren vergleichsweise billigen Kopien. Eine Wing Loong kostet eine Million Dollar, ein Fünftel des Preises einer Predator-Drohne. Das leistungsfähigere Reaper-Modell kostet sogar 15 Millionen Dollar pro Stück.

US-Industrie fordert Lockerung

Angesichts der chinesischen Exportoffensive fordern US-Hersteller nun, dass die Einschränkungen beim Export gelockert werden. Sie machen geltend, Washington könne eine weitere Ausbreitung von Drohnen nicht mehr stoppen. Neben dem wirtschaftlichen Interesse verweisen sie auch auf strategische Erwägungen: Es gehe darum, zu verhindern, dass China seinen Marktanteil vergrössere und Amerikas strategische Allianzen mit anderen Ländern schwäche.

Amerikas Drohnenhersteller sind laut «Journal» optimistisch, dass die Regierung unter Donald Trump der einheimischen Industrie helfen und das Exportverbot lockern wird. Die chinesische Konkurrenz ist damit aber nicht ausgeschaltet: Schätzungen des Pentagons zufolge wird China bis 2023 in der Lage sein, fast 42'000 Drohnen im Wert von zehn Milliarden Dollar herzustellen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.