Mehrfache Knochenbrüche bei Säugling: Keine vorsätzliche Körperverletzung – Vater (28) freigesprochen
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Mehrfache Knochenbrüche bei SäuglingKeine vorsätzliche Körperverletzung – Vater (28) freigesprochen

Ein Mann aus dem Emmental wurde beschuldigt, seinem Sohn beide Beine gebrochen zu haben. Nun hat ihn das Gericht aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf der vorsätzlichen Körperverletzung freigesprochen.

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Vor dem Regionalgericht in Burgdorf musste sich diese Woche ein 28-jähriger Vater erklären. 

Vor dem Regionalgericht in Burgdorf musste sich diese Woche ein 28-jähriger Vater erklären.

Nicole Philipp/Tamedia AG
Ihm wurde vorgeworfen, seinen Sohn misshandelt zu haben. 

Ihm wurde vorgeworfen, seinen Sohn misshandelt zu haben.

Nicole Philipp/Tamedia AG
Im Alter von sieben Wochen wurden beim Säugling Mehrfachbrüche bei beiden Beinen festgestellt. 

Im Alter von sieben Wochen wurden beim Säugling Mehrfachbrüche bei beiden Beinen festgestellt.

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Darum gehts

  • Einem Vater aus dem Emmental wurde vorgeworfen, seinem siebenwöchigen Kind mehrfach die Beine gebrochen zu haben.

  • Das Gericht hat ihn allerdings vom Vorwurf der vorsätzlichen Körperverletzung freigesprochen. Der Vorsatz sei dem drogenabhängigen Mann nicht nachzuweisen.

  • Der Beschuldigte ist folglich mit einer bedingten Geldstrafe davon gekommen.

Ein 28-jähriger Mann musste sich diese Woche wegen Kindesmisshandlung vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau verantworten. Ihm wurde vorgeworfen, im Februar 2019 seinem damals siebenwöchigen Sohn beide Beine gebrochen zu haben. Der Beschuldigte beteuerte indes, er habe dem Kind die Verletzungen nicht absichtlich beigefügt; einmal sei er versehentlich auf den am Boden liegenden Sohn getreten, ein anderes Mal sei er ihm aus den Armen gerutscht.

Das Gericht ging zwar davon aus, dass der Vater der Urheber der Verletzungen war. Dennoch wurde er vom Vorwurf der vorsätzlichen Körperverletzung freigesprochen, wie die «Berner Zeitung» berichtet. Den Vorsatz könne man dem Beschuldigten, der unter psychischen Problemen leidet und regelmässig Marihuana und Ecstasy konsumiert, nicht nachweisen. Denkbar sei etwa auch, dass er das Kind beim Spielen in die Luft geworfen habe.

«Glück, dass kein Strafantrag vorlag»

Doch auch der fahrlässigen Körperverletzung wurde der Mann nicht schuldig gesprochen. Dies, weil es sich um kein Offizialdelikt handelt und keine Anzeige der Mutter vorliegt. «Sie hatten Glück, dass kein Strafantrag vorlag und kommen mit einem Freispruch davon», so der Richter zum Beschuldigten.

Verurteilt wurde er schliesslich wegen seines Drogenkonsums und mehrfacher Nachtruhestörung. Bei einem Gespräch mit der zuständigen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) ging er zudem auf die Präsidentin los; die Schuldfähigkeit sei hier aber eingeschränkt, befand das Gericht. Wie der Mann geltend machte, hatte er während der Attacke ein Blackout und erinnert sich nicht mehr daran. Ihm wurden eine bedingte Geldstrafe von 1440 Franken sowie zwei Bussen in Höhe von insgesamt 860 Franken auferlegt.

Dem Jungen geht es heute gut, er hat keine Folgeschäden erlitten. Zusammen mit seiner Mutter lebt er in einem Heim. Zum seinem Vater hat er keinen Kontakt.

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Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Fachstelle Frauenberatung

Onlineberatung für Frauen (BIF)

Onlineberatung für Männer

Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Pro Juventute, Tel. 147

(sul)

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