Micheline Calmy-Rey: «Keinen speziellen Hass» auf Gaddafi
Aktualisiert

Micheline Calmy-Rey«Keinen speziellen Hass» auf Gaddafi

Bundesrätin Calmy-Rey verhandelte im Zusammenhang mit den Schweizer Libyen-Geiseln mit dem Gaddafi-Regime. Rückblickend spricht sie von einem «Kräftemessen mit einem Diktator». Gaddafi habe sich in der Schweiz «schwer getäuscht».

Max Göldi posiert nach seiner Freilassung auf dem Flughafen Zürich mit Bundesrätin Micheline Calmy-Rey: «Dieser Herr Gaddafi hat gemeint, er könne es mit der Schweiz und mit der EU aufnehmen».

Max Göldi posiert nach seiner Freilassung auf dem Flughafen Zürich mit Bundesrätin Micheline Calmy-Rey: «Dieser Herr Gaddafi hat gemeint, er könne es mit der Schweiz und mit der EU aufnehmen».

Nach dem Sturz des libyschen Machthabers Muammar al- Gaddafi hat hat Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey erstmals über die Libyen-Affäre gesprochen. Sie hege «keinen speziellen Hass» auf Gaddafi. Dieser und sein Regime seien kriminell und gehörten vor Gericht.

Bei den Verhandlungen um die Freilassung der zwei Schweizer Geschäftsmänner sei es «einfach um ein Kräftemessen mit einem Diktator» gegangen, sagte Calmy-Rey der Westschweizer Zeitung «Le Matin Dimanche» und der «SonntagsZeitung».

Sie sei stolz, dass es damals gelungen sei, das Kräfteverhältnis umzudrehen. Anfangs sei die Lage für die Schweiz völlig ungünstig gewesen. Die Strategie mit den Schweizer Visabeschränkungen für mehrere libysche Personen habe aber die Wende gebracht.

Weil diese Personen damit auch keine Schengen-Visa mehr bekommen hätten, habe Libyen - «wie wir es voraussahen» - Vergeltungsmassnahmen gegenüber Bürgern aus dem Schengenraum getroffen. «So wurde auf einen Schlag die EU involviert. Das Kräfteverhältnis begann sich zu unseren Gunsten zu verschieben», sagte Calmy-Rey.

Europäer nicht begeistert

Letztlich sei die Schweiz also dank der EU aus dem Albtraum herausgekommen. Allerdings seien die Europäer zuerst nicht begeistert gewesen.

«Als sie von den libyschen Vergeltungsmassnahmen bei den Visa erfuhren, haben sie angerufen und gesagt: 'Ihr seid verrückt! Was habt Ihr getan? Weshalb wurden wir nicht informiert?' Ich habe ihnen geantwortet, dass sie mich ja nicht hätten machen lassen, wenn ich sie vorher informiert hätte.»

Immer wieder Schikanen

Beim Besuch in Tripolis hätten die Libyer die Schweizer Delegation dann immer wieder lange warten lassen. «Die Libyer demonstrierten auf diese Art, dass sie das Spiel führten, wobei sie wussten, dass sie bereits verloren hatten. Sie fühlten sich gedemütigt und genossen es, uns den ganzen Tag zu schikanieren», sagte Calmy-Rey.

Schliesslich sei sie zu einem Treffen mit Gaddafi in dessen Zelt geladen worden. Weil der festgehaltene Max Göldi zu diesem Zeitpunkt noch nicht frei war, habe sie zugesagt. «Gaddafi sagte zu mir: 'Sie kommen aus der Schweiz? Aus Genf? Die Schweiz muss abgeschafft werden.' Da hat Silvio Berlusconi interveniert und dafür bin ich ihm sehr dankbar.»

Am Ende habe die Schweiz gewonnen. «Es gibt Dinge, die man mit mir und mit meinem Land nicht machen kann», betonte die Bundespräsidentin. «Dieser Herr Gaddafi hat gemeint, er könne es mit der Schweiz und mit der EU aufnehmen. Er hat sich schwer getäuscht.»

(sda)

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