Keiner weiss, wieso es in Liestal stank

Aktualisiert

Keiner weiss, wieso es in Liestal stank

Nach den massiven Geruchsbelästigungen in Liestal vom 27. und 28. November ist der Verursacher noch nicht ermittelt. Der auslösende Stoff war laut den Behörden in den gemessenen Mengen aber ungefährlich.

Die Stadt Liestal hat Strafanzeige eingereicht. Die Anzeige richte sich gegen Unbekannt, teilte die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion am Donnerstag mit. Wieder freigegeben werde indes in den nächsten Tagen das nach dem Vorfall abgeschaltete Grundwasserpumpwerk Gitterli in Liestal: Bei Analysen seien im Wasser keine gesundheitsgefährdenden Stoffe gefunden worden.

Nur kleine Mengen

Den Gestank bewirkt hatten einige Kilo schwefelhaltiger Verbindungen, die über die Kanalisation in die Kläranlage ARA Frenke 3 in Bubendorf gelangten. Als Auslöser identifiziert hatten das Amt für Umweltschutz und Energie und das Sicherheitsinspektorat des Kantons schon früher die Schwefelverbindung Dimethylsulfid (DMS).

Beigetragen haben könnten zudem kleinste Mengen schwefelhaltiger Verbindung aus der Gruppe der Mercaptane, wie es in der Mitteilung heisst. In hoher Konzentration könnten schwefelhaltige Verbindungen eine Gefährdung darstellen. Dagegen seien kleine Mengen zwar sehr geruchsintensiv, aber keine Gefahr für Mensch und Umwelt.

Im Auslauf der Abwasserreinigungsanlage seien die Mengen der Substanzen während und nach dem Vorfall aber kaum noch nachweisbar gewesen. In der Frenke seien sie zudem aufgrund der Wasserführung des Baches noch um das rund Zehnfache verdünnt worden. Im Pumpwerk Gitterli waren sie überhaupt nicht nachweisbar.

Betriebe kontrolliert

DMS kommt laut den Behörden natürlicherweise in der Athmosphäre oder beispielsweise auch in Mundgeruch vor. Es könne aber auch aus dem in Labor und Technik verbreiteten Lösungsmittel Dimethysulfoxid (DMSO) enstehen. Mercaptane werden etwa bei Fäulnisprozessen frei, in der Technik werden sie aber auch als Geruchsmittel eingesetzt.

Kontrollen bei Einleitern von Industrieabwässern bei Bubendorf ergaben nun, dass in einem Teil der Betriebe DMSO verwendet wird. Bei Analysen wurden zudem DMSO und DMS in den Betriebsabwässern gefunden. Fehlerhaftes Verhalten sei aber nicht festgestellt worden, und auch in der Vergangenheit habe es keine Geruchsprobleme gegeben.

Die Behörden hatten ihre Ermittlungen schon nach den ersten Geruchsmeldungen auf Industrieeinleiter im Raum Bubendorf konzentriert. In der ARA Frenke 3 wurde zudem der Klärschlamm ausgewechselt. Wegen des Gestanks waren bei der Baselbieter Polizei allein am Abend des 27. November über 200 Anrufe eingegangen.

(sda)

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