Aktualisiert 24.08.2014 18:06

Lehrlingsrating

Kellner und Köche am Anschlag

Überstunden, Wochenendarbeit, Stress: Lernende Restaurationsfachleute und Köche sind am unzufriedensten, zeigt eine Studie. Jetzt geloben die Verbände Besserung.

von
Pascal Michel
Jugendliche sehen in einer Koch-Lehre oft keine Karrierechancen, da es an Aufstiegsmöglichkeiten mangelt.

Jugendliche sehen in einer Koch-Lehre oft keine Karrierechancen, da es an Aufstiegsmöglichkeiten mangelt.

Köche und Restaurationsfachleute sind die unzufriedensten Lehrlinge: Das zeigt eine Umfrage der Fachhochschule Nordwestschweiz bei 800 Schweizer Lernenden. Jetzt melden sich die Lehrlinge aus der Gastro-Branche zu Wort und kritisieren die Arbeitsbedingungen in der Branche.

Anina Steiger hat ihre Lehre als Restaurationsfachfrau in einem Basler Hotel absolviert. «Es ist unglaublich, wie gross die psychische Belastung in diesem Beruf ist», sagt die 19-jährige. Sie kritisiert auch die Arbeitszeiten: «Oft habe ich pro Tag zehn Stunden gearbeitet, und das sechs Tage am Stück. Ich hatte praktisch keine Freizeit mehr» (siehe Interview).

«Kochjob ist attraktiv: guter Lohn und viel Ferien»

Nun aber setzt sich die Branchenorganisation Hotelgastro zur Wehr und streicht die Vorteile einer Lehre im Gastrobereich heraus: «Die Ausbildung zum Koch oder Restaurationsfachmann ist attraktiv: 4100 Franken Mindestlohn, fünf Wochen Ferien und subventionierte Weiterbildungsmöglichkeiten», sagt Sprecher Roger Lütolf. Das zeige auch die jährliche Befragung des Verbands bei 1000 Lernenden. Das Fazit: Die Lernenden seien mit der Betreuung und den Arbeitsbedingungen mehrheitlich zufrieden.

«Um falschen Erwartungen entgegenzuwirken, sollten die Betriebe mit offenen Karten spielen, damit die Jugendlichen realistisch über die Arbeitsbedingungen im Beruf informiert werden», sagt Urs Casty von der Lehrstellenplattform Yousty. Er stellt fest, dass für Jugendliche Berufe wie Koch oder in der Restauration «abschreckend» sein können. Das liege an Befürchtungen über Wochenendarbeit oder Überstunden, die in der Praxis nicht zutreffen würden.

«Endlose Überstunden liegen nicht drin»

Es sei aber nicht so, dass die Jungen heute nicht leistungsbereit seien, sagt Casty. Die Jugendlichen hätten aber auch Ansprüche: «Endlose Überstunden liegen für sie nicht drin.» Einige Gastro-Betriebe hingegen setzten die Lernenden bereits als vollwertige Arbeitskräfte ein.

Den Vorwurf, dass Lehrlinge als billige Arbeitskräfte eingesetzt würden, weist der Verband Hotelgastro zurück: «Vielen Lernenden gefällt es gut, dass sie sofort als vollwertige Mitarbeiter wahrgenommen werden», sagt Lütolf. Es bestehe aber die Gefahr, dass sie eben als Mitarbeiter und nicht mehr als Lernende betrachtet würden.

Dass die Arbeitszeiten aber ein Faktor für die Unzufriedenheit sein könnten, bestätigt Lütolf: «Die Arbeitszeiten sind klar eine Herausforderung.» Zu Beginn der Lehre müsse man sich zuerst in die Gastro-Welt einleben und mit den Arbeitszeiten umgehen können.

Man weise die Jugendlichen deutlich auf die Arbeitszeiten hin, sagt Daniel Jung, Vizedirektor von GastroSuisse. «Es könne aber vorkommen, dass Lernende erst nach ein paar Wochen realisieren, was es heisst, am Abend zu arbeiten.»

Ab heute sind die freien Lehrstellen für 2015 auf dem Lehrstellen-Informationsportal berufsberatung.ch aufgeschaltet.

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