Kennedy-Neffe: Autounfall wegen Medikamentensucht
Aktualisiert

Kennedy-Neffe: Autounfall wegen Medikamentensucht

Der Neffe des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy, Patrick Kennedy, hat nach einem Autounfall in Washington eingestanden, dass er medikamentenabhängig ist.

Der Kongressabgeordnete will nun einen Entzug machen. Er begab sich noch am Freitag (Ortszeit) in eine Mayo-Klinik in Minnesota, will aber sein politisches Amt behalten. Wie der 38- Jährige vor seinem Abflug aus Washington vor den Medien sagte, leidet er seit seiner Jugend an Depressionen und Abhängigkeit von Schmerzmitteln.

An den Vorfall am frühen Donnerstagmorgen, bei dem er mit seinem Auto in eine Absperrung am Kongressgebäude gerast war, könne er sich nicht im Geringsten erinnern. «Ich weiss noch nicht einmal, dass ich aus dem Bett aufgestanden bin», sagte der Demokrat aus Rhode Island.

Er hatte nach eigenen Angaben vor seiner nächtlichen Tour ein Medikament gegen Magen- und Darmgrippe sowie ein Schlafmittel genommen. Er sei desorientiert gewesen.

Er sei entsetzt über die Wirkung, die Arzneien auf ihn hätten und sehe ein, dass er Hilfe benötige, sagte Kennedy. Er teilte mit, dass er sich bereits über Weihnachten zum Entzug in eine Klinik begeben und sich danach «gesund» gefühlt habe.

Sein Vater Edward Kennedy erklärte, er sei sehr stolz auf den «Mut» seines Sohnes. Er habe seine «volle Unterstützung», betonte der Senator, der der Bruder des 1963 bei einem Attentat in Dallas ermordeten Präsidenten ist.

Für Wirbel gesorgt

Patrick Kennedys Unfall sorgte in Washington für grossen Wirbel. Laut Augenzeugen war er in Schlangenlinien gefahren und nach der Kollision mit der Barriere torkelnd ausgestiegen.

Kongress-Sicherheitskräften sagte er, er müsse an einer Abstimmung teilnehmen. Das Abgeordnetenhaus hatte seine Sitzung aber schon seit Stunden beendet.

Polizisten fuhren Kennedy dann nach Hause. Sie verpassten ihm drei Strafzettel - unter anderem «wegen Unfähigkeit, das Fahrzeug auf der Strasse in der richtigen Spur zu halten».

Kein Alkoholtest

Ein Alkoholtest wurde nicht durchgeführt, obwohl er einem Polizeibericht zufolge betrunken erschien. Das hatte zum Vorwurf geführt, Kennedy habe eine Sonderbehandlung erhalten. Wie aus Polizeikreisen verlautete, wurden gegen die für den Entscheid verantwortlichen Beamten inzwischen Disziplinarmassnahmen eingeleitet.

Patrick Kennedy selbst bestritt, betrunken gewesen zu sein. Er soll erst vor wenigen Wochen einen Autounfall in Rhode Island gehabt haben, wie die «New York Daily News» berichtete.

Der Abgeordnete musste sich bereits als 20-Jähriger einer Drogentherapie unterziehen. Vor sechs Jahren enthüllte er, dass er manisch-depressiv sei. Dem Repräsentantenhaus in Washington gehört Kennedy seit 1995 an.

N

(sda)

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