Aktualisiert 04.02.2004 11:24

Kerry bereit für Duell gegen Bush

Nach seinen Vorwahlsiegen in fünf weiteren Staaten scheint John Kerry die Kandidatur gegen George W. Bush nur noch schwer zu nehmen zu sein.

Auf seiner Wahlparty am Dienstagabend (Ortszeit) in Seattle beschrieb sich der 60-jährige US-Senator denn auch bereits als Anführer einer Reformbewegung, die das ganze Land erfasst habe: Überall stosse er auf den Willen der Menschen, «die Richtung unseres Landes zu ändern».

In der Tasche hat Kerry die Nominierung aber noch nicht. Sein stärkster parteiinterner Widersacher könnte der smarte Senator John Edwards werden, der in dem wichtigen Südstaat South Carolina die Vorwahl mit klarem Vorsprung gewann.

Kerry zwischen den Polen

Nachdem Kerry im Januar bereits bei den ersten beiden Vorwahlen der oppositionellen Demokraten in Iowa und New Hampshire triumphierte, demonstrierte der Senator aus dem Neuenglandstaat Massachusetts an diesem «Super Tuesday» eindrucksvoll, dass er nicht nur in unterschiedlichsten Regionen, sondern auch unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen zu überzeugen vermag.

Er siegte an der Ostküste im Staat Delaware, im Mittleren Westen in Missouri und North Dakota, im Südwesten in Arizona und New Mexico.

Und die Wahlanalysen zeigen, dass er trotz seines nur zweiten Platzes in South Carolina hohe Stimmenanteile an der afroamerikanischen Basis erobern konnte. Im Südwesten wiederum punktete er stark unter der hispanischen Minderheit.

Umfragen für Kerry

Zu Kerrys Triumphzug trugen zweifellos die Umfragen der vergangenen Tage bei, die ihn im Vergleich mit dem Präsidenten vorne sahen. Das Verlangen nach Bushs Abwahl scheint die demokratische Basis über alle geographischen und sozialen Differenzen zu einen.

Auch nach diesem ersten «Super Tuesday» hat Kerry aber erst einen kleinen Bruchteil der Delegiertenstimmen beisammen, die er für den Nominierungsparteitag Ende Juli in Boston braucht - noch stehen Vorwahlen in 41 Staaten an.

Während Senator Joe Lieberman nach erneut blamablem Abschneiden am Dienstag das Handtuch warf, sogen Senator Edwards wie auch der frühere NATO-Oberfehlshaber Wesley Clark aus ihren Teilerfolgen die Hoffnung auf ein weiterhin offenes Rennen.

Strahlemann Edwards

Edwards, der bereits mit seinem starken zweiten Platz in Iowa für Furore gesorgt hatte, konnte nicht nur in seinem Geburtsstaat South Carolina klar gegen Kerry gewinnen, sondern schnitt auch in Oklahoma überraschend gut ab: Dort unterlag er nur hauchdünn gegen Clark.

Der ewige Strahlemann sah sich denn auch bereits vor einem «Zwei-Mann-Rennen» mit Kerry. Um aber tatsächlich noch eine Chance zu haben, werde Edwards zeigen müssen, dass er auch «ausserhalb des eigenen Hinterhofs gewinnen kann», bemerkte der Politologe Bruce Ramson von der Clemson-Universität in South Carolina.

Clark in Siegerlaune

In Siegerlaune zeigte sich auch Ex-General Clark nach seinem knappen Sieg in Oklahoma. Schliesslich sei es «die erste Wahl, die ich jemals gewonnen habe», jubelte der Politneuling.

Howard Dean wiederum, der einstige Favorit, wollte sich nach seinen neuerlichen Niederlagen keinesfalls enttäuscht zeigen - schliesslich habe er sich in keinem der sieben Staaten Siegeschancen ausgerechnet.

Der Ex-Gouverneur von Vermont setzt auf Michigan und Washington, wo an diesem Samstag abgestimmt wird. Experten geben ihm aber keine grossen Chancen mehr. (sda)

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