Aktualisiert 10.02.2004 11:39

Kerry in den Vorwahlen kaum getestet

Für US-Senator John Kerry sieht es nach einem sicheren Sieg aus: Er hat zehn der bislang zwölf Vorwahlen seiner Demokratischen Partei für sich entschieden, und auch in den Umfragen in Tennessee und Virginia lag der Favorit wieder klar vorn.

Der Durchmarsch zur Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten könnte sich jedoch später als Hindernis erweisen. Dann wäre mit Kerry ein Mann Kandidat, der noch keinen Miniskandal oder Ausrutscher überstehen musste.

Während Kerry sich schon auf den Wahlkampf gegen Bush vorbereit, fordern seine Rivalen die Wähler auf, sich ihren Favoriten doch noch einmal genau anzuschauen. «Sie haben die Möglichkeit, diese Debatte am Leben zu erhalten», sagte Howard Dean, der noch Ende vergangenen Jahres als klarer Sieger galt. Er machte die Medien für die vorgezogene «Krönung» des demokratischen Präsidentschaftskandidaten verantwortlich. Der ehemalige NATO-General Wesley Clark bemängelte, die Vorwahlen gingen so schnell vorüber, dass viele Wähler kaum den Unterschied zwischen den Kandidaten sehen könnten.

Dies war jedoch genau so von der demokratischen Parteiführung geplant. Unter Führung des Parteivorsitzenden Terry McAuliffe wurde die traditionell mehrere Wochen lange Wartezeit zwischen der Vorwahl in New Hampshire und den folgenden Abstimmungen abgeschafft. Die Parteiführung wollte sicherstellen, dass der Herausforderer Bushs Mitte März feststeht.

Ohne diese Wartezeit konnte nach Siegen in Iowa und New Hampshire nichts Kerrys Erfolgsserie stoppen. Er gewann weitere acht Mal und musste nur zwei Niederlagen hinnehmen. Die Umfragen sahen ihn auch in den Südstaaten Virginia und Tennessee vorn. Berater von John Edwards und Clark, die beide aus dem Süden stammen, rechneten nach eigenen Äusserungen mit einer Niederlage. Das könnte ihren Kandidaturen ein Ende bereiten.

Wenn sie jedoch trotzdem im Rennen bleiben, würde sich ihr Schicksal wohl in Wisconsin entscheiden, wo am 17. Februar gewählt wird. Edwards hofft offenbar, dass Dean bis dahin Kerry angreifen wird. Damit könnte sich der Senator aus North Carolina als Alternative präsentieren. Es ist jedoch bisher keinesfalls sicher, dass Dean zu einer solchen Negativ-Kampagne ansetzen könnte.

Dean könnte dagegen darauf setzen, dass Edwards und Clark nach den Vorwahlen vom Dienstag ausscheiden. Damit wäre er Kerrys einzig verbliebener Gegner. Auch Dean weiss jedoch, dass ein Vorsprung von 30 Prozentpunkten kaum einzuholen ist. In den jüngsten Umfragen hatte Kerry ihn mit 41 Prozent zu neun Prozent geschlagen. Clark hofft unterdessen, in Tennessee wenigstens zweiter hinter Kerry werden zu können. Damit könnte er an seiner Kandidatur festhalten.

Zwtl: Rivalen hoffen auf Fehler des Senators

Unter vier Augen räumen die Berater aller drei Rivalen Kerrys ein, dass sie auf einen Fehler des 60-jährigen Senators aus Massachusetts hoffen. Wenn sie in Wisconsin den Durchbruch nicht schaffen könnten, werde ihnen schnell das Geld ausgehen, erklären sie.

Kerrys Aufstieg ist wie Deans im vergangenen Jahr ein Ergebnis des brennenden Wunsches, Bush zu schlagen. Die Anhänger der Demokraten wollen einen Sieger sehen und versammeln sich daher hinter Kerry, genau wie sie sich nach starken Umfragewerten zuvor hinter Dean stellten.

Aus Kreisen der Demokratischen Partei verlautete, Kerry wolle im Fernsehen für sich werben, sobald Bush das gleiche tue. Dafür kann er auf einen Fonds der Partei in Höhe von 15 Millionen Dollar zurückgreifen. Es wird damit gerechnet, dass die Republikaner die Wahlwerbung aufnehmen werden, sobald der demokratische Herausforderer feststeht. «Wir können nicht einen Kampf während der Vorwahlen bis zum Frühjahr zulassen und damit Bush gestatten, 200 Millionen Dollar für die Diskreditierung unseres Kandidaten auszugeben», erklärt McAuliffe.

«Es wird vorbei sein», sagt Sally Taylor, eine 35-jährige Demokratin. «Und ich weiss kaum, für wen ich da eigentlich gestimmt habe. Aber ich habe einen Gewinner.» (dapd)

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