Aktualisiert 16.02.2004 08:12

Kerry weiter auf Erfolgskurs

Neun Monate vor der US- Präsidentenwahl ist John Kerry seiner Favoritenrolle bei den Demokraten erneut gerecht worden. Die Vorwahlen im Bundesstaat Nevada und im Hauptstadtbezirk Washington DC gewann er deutlich.

Kerry entschied bisher 14 von 16 Vorwahlen zu seinen Gunsten und scheint kaum noch schlagbar. Die Blicke der Politbeobachter sind jetzt nach Wisconsin gerichtet, wo am Dienstag die nächsten Vorwahlen stattfinden.

Auch dort ist der 60-jährige Kerry haushoher Favorit. «Wisconsin kann der erste Schritt zum Anfang vom Ende der Bush- Präsidentschaft sein», erklärte der Senator aus Massachusetts am Samstag (Ortszeit) nach seinen jüngsten Erfolgen.

Deans Untergang

Bei der Vorwahl in Washington gewann Kerry 47 Prozent der Stimmen. Der schwarze Bürgerrechtler Al Sharpton wurde mit 20 Prozent Zweiter, Howard Dean aus Vermont mit 17 Prozent Dritter. Bei einer symbolischen Vorwahl im Januar hatte Dean in der Hauptstadt noch klar gewonnen.

Im westlichen Bundesstaat Nevada stimmten fast 63 Prozent der Parteimitglieder für Kerry, Dean landete mit knapp 17 Prozent auf dem zweiten Platz und der Südstaaten-Senator John Edwards mit 10 Prozent auf dem dritten Rang.

Um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten zu erringen, sind 2162 Delegiertenstimmen für den Parteitag im Juli in Boston notwendig. Kerry hofft, diese nach dem «Super Tuesday» am 2. März zusammenzuhaben, wenn in zehn Bundesstaaten Vorwahlen stattfinden.

Mit seinen jüngsten Wahlsiegen hat Kerry bereits rund ein Viertel der 2162 Delegierten hinter sich. Das sind mehr als seine verbliebenen Partei-Rivalen bislang zusammen auf sich vereinen konnten.

Republikaner attackieren Kerry

Zum Wochenende hat auch die Republikanische Partei von Präsident George W. Bush ihren ersten Wahlkampfspot veröffentlicht. Der Spot kritisiert Kerry als «prinzipienlos» und von Lobbyisten beeinflusst. Ein Link zu der Videobotschaft wurde an sechs Millionen US-Bürger gemailt.

Kerry zeigte sich von Bushs «negativer Attacke» unbeeindruckt: «Wenn das die Art von Kampagne ist, die er betreiben will, sind wir bereit. Wir werden nicht weichen», erklärte er in Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin.

Kerrys Wahlkampfteam werde zeigen, «welche Zuwendungen Bush von Öl- und Gasunternehmen, Grossbanken und Investmentfirmen angenommen und welche Gefallen er den Lobbyisten erwiesen hat», sagte Kerrys Sprecherin Stephanie Cutter. Es sei «der Gipfel der Verlogenheit», wenn Bush als «König der Lobbyisten» Kerry in dem Punkt angreife.

Bushs Militärakten geöffnet

Bush seinerseits liess am Wochenende rund 400 Aktenseiten zu seiner Militärzeit veröffentlichen. Er ordnete die Veröffentlichung an, um Vorwürfen der «Drückebergerei» während des Vietnam-Kriegs entgegenzutreten. Mit der Publikation werde klargestellt, dass Bush nichts zu verbergen habe, sagte ein Sprecher.

Bushs demokratische Widersacher hatten ihm vorgeworfen, sich während der Zeit in der Nationalgarde abgesetzt zu haben. So soll er dem Dienst in Alabama 1972 unentschuldigt fern geblieben sein. (sda)

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