Catherine Deneuve: «Keuschheit voller Sex-Appeal»
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Catherine Deneuve«Keuschheit voller Sex-Appeal»

Immer wieder inspirierte die schöne Catherine Deneuve Meisterregisseure wie Lars von Trier oder François Ozon zu grossen Filmen. Am Mittwoch wird sie 65 Jahre alt.

Schönheit kann auch ein Fluch sein. Bei «La Deneuve» jedoch ist Schönheit auch eine Form von Intelligenz. In mehr als 45 Jahren Karriere hat sich die Grande Dame des französischen Kinos ein Image aufgebaut, dass sie zwar zum «ewig Weiblichen» werden liess, erotisch und unwiderstehlich, jedoch unberührbar.

So wie die marmorne Statue der französischen Nationalfigur «Marianne», die 1985 ihr ebenmässiges Gesicht bekam (Bildstrecke). Diese anziehende Unnahbarkeit hat die grössten Filmemacher zu Meisterwerken des Weltkinos inspiriert.

Selbstschutz

Was sich hinter ihrem makellosen Antlitz verbirgt, bleibt ihr Geheimnis. In Interviews gibt sich der Leinwandstar förmlich und reserviert und selbst in ihren 2005 auf Deutsch erschienenen Tagebüchern «Im Schatten meiner Selbst» erfährt der Leser nur wenig über ihr eigentliches Wesen.

Das Buch besteht aus Erinnerungen an einige ihrer Dreharbeiten. Sie beschreibt ohne Allüren die Freuden und Leiden ihres Metiers: die einzelnen Rollen, die Arbeitsbedingungen, die Drehorte, Begegnungen, Schlaflosigkeit und Erschöpfung.

«Ich verstecke mich», sagte sie auf dem Festival in Cannes vor wenigen Jahren, wo die Schauspielerin zu den Stammgästen zählt. Gleich mit zwei Filmen war sie dieses Jahr wieder dabei: In der Familiengeschichte «Un Conte de Noël» von Arnaud Desplechin und in «Je veux voir» von Joanna Hadjithomas und Khalil Joreige, einer Produktion über die Auswirkungen des Krieges im Libanon.

Bardots Rivalin

«Ich war sehr jung schon der Brutalität und Vulgarität der Zeitungen ausgesetzt. Das hat mich derart schockiert, dass ich angefangen habe, mich zu schützen», erklärte Deneuve.

Für die ersten Schlagzeilen, die in Frankreich hohe Wellen schlugen, sorgte sie 1964. Nicht nur, weil sie in Cannes für «Die Regenschirme von Cherbourg» ihre erste Goldene Palme bekam.

Mit 20 Jahren wurde sie auch allein erziehende Mutter. Eine schwierige Situation im Frankreich der Vor-68-Jahre. Der Vater ihres Sohnes Christian: der skandalträchtige Frauenheld Roger Vadim.

Vadim, der damalige Ehemann von Brigitte Bardot (BB), war es, der Deneuve 1960 für den Film entdeckte. Zwei Jahre später gab er ihr die erste grössere Rolle in seinem Film «La vice et la vertu» (Laster und Tugend), in dem sie die Tugend verkörperte.

Als die 17-jährige Deneuve den 15 Jahre älteren Vadim kennen lernte, kam es nicht nur zum Bruch mit den Eltern. Unter seinem Einfluss liess sie sich ihre brünetten Haare blond färben - so wie BB.

Kein Centerfold

Der Regisseur führte sie in den Jetset ein und machte aus der stillen und zurückhaltenden Catherine die unnahbare sexy Blonde. Als «Keuschheit voller Sex-Appeal» bezeichnete er diese Ausstrahlung, die von nun an zu ihrem Markenzeichen werden sollte. Dem «Charme der professionellen Jungfrau» erlag auch Roman Polanski, mit dem sie «Ekel» drehte.

Gegen die Rolle als Sex-Symbol hat sich Deneuve jedoch schon immer gewehrt. «Sex-Symbol - was heisst das schon? Ich investiere in jeden Film viel mehr als nur mein Aussehen. Sex - das ist mir zu flach, zu eindimensional. Ich bin doch kein Faltposter aus einem Männermagazin! Erotik ist ein viel besseres Wort dafür.»

(sda)

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