CS-Beschattungsskandal: Khan hat «Todesangst» durchgestanden
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CS-BeschattungsskandalKhan hat «Todesangst» durchgestanden

Die Credit Suisse hat eine Untersuchung im Bespitzelungsskandal eingeleitet. Das engste Umfeld des Konzernchefs Thiam soll involviert gewesen sein.

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doz/kat
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Iqbal Khan wird Co-President Global Wealth Management der UBS.

Iqbal Khan wird Co-President Global Wealth Management der UBS.

ZVG
Nun wurde bekannt, dass sein alter Arbeitgeber ihn von Detektiven beschatten liess.

Nun wurde bekannt, dass sein alter Arbeitgeber ihn von Detektiven beschatten liess.

Keystone/Ennio Leanza
Seltsam ist, dass ein Banker in einer derart hohen Position eine nur dreimonatige Kündigungsfrist hat. Auch gilt in einem solchen Fall in der Regel ein Konkurrenzverbot.

Seltsam ist, dass ein Banker in einer derart hohen Position eine nur dreimonatige Kündigungsfrist hat. Auch gilt in einem solchen Fall in der Regel ein Konkurrenzverbot.

Keystone/Gaetan Bally

Der Beschattungsskandal um den einstige Chef der Vermögensverwaltung der Credit Suisse Iqbal Khan spitzt sich zu. Wie sich nun herausstellt, hat der CS-Präsident Urs Rohner eine interne Untersuchung eingeleitet, berichtet der «Tages-Anzeiger» (Bezahlartikel). Gemäss Recherchen der Zeitung sei das engste Umfeld von Konzernchef Tidjane Thiam in die Überwachungsaffäre involviert – unter anderem Pierre-Olivier Bouée, Chief Operating Officer von CS, und Sicherheitschef Remo Boccali.

Es ist allerdings nach wie vor unklar, was genau geschehen ist. Die Bank widerspricht der Version der Geschehnisse, wie Khan sie beschreibt. Dieser gibt an, bei einer Einkaufsfahrt beschattet worden zu sein. Er habe daraufhin versucht, seine Verfolger abzuschütteln, was ihm aber nicht gelungen sei. Also habe er ein Foto des Nummernschilds des Autos gemacht, aus dem er bespitzelt worden sei. Drei Personen sollen daraufhin versucht haben, ihm das Handy zu «entreissen». Einer von ihnen sei ein tätowierter Schlägertyp gewesen, berichtet CH Media.

Kahn hatte «Todesangst»

Die CS bestreitet dies. «Die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma haben nie versucht, Khan das Handy zu entreissen, es hat keinerlei physische Aggression gegeben», sagt ein CS-Insider zum «Tages-Anzeiger». Kahn sei überwacht worden, um sicherzustellen, dass dieser nicht versuche, Leute für die UBS abzuwerben, bei welcher er selbst ab Oktober eine Stelle antritt. Die Überwachung habe aber niemals am Wochenende stattfinden oder sich auf Kahns Familie ausweiten sollen.

Khan gibt derweil an, «Todesangst» durchgestanden und um seine Familie gefürchtet zu haben. Nach dem Vorfall reichte er bei der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft eine Strafanzeige wegen Nötigung ein. Zur Verhaftung ist es laut CH Media schliesslich aber nicht aufgrund der Fotos der Verfolger, sondern des Nummernschilds des Autos gekommen.

Die Beschattung hat auch innerhalb der CS Wellen geschlagen. So sollen sich mehrere frühere Mitarbeiter Kahns bei der Geschäftsleitung erkundigt haben, ob auch sie Ziel einer Überwachung gewesen seien.

Die Geschichte bisher

Iqbal Khan hatte seinen Posten bei der CS im Juli 2019 gekündigt. Ende August wurde klar, dass er zur Konkurrenz UBS wechselt. Normalerweise besteht in einer hohen Position, wie sie Khan bei der CS innehatte, eine einjährige Kündigungsfrist und ein entsprechend langes Konkurrenzverbot. Dass Khan also schon im Oktober die Vermögensverwaltung der UBS übernimmt, ist höchst unüblich.

Darüber, wie der Abgang Khans genau ablief und welche Vereinbarungen und Übereinkünfte getroffen wurden, wird derzeit spekuliert. Khan soll einen Teil seines Bonus verloren haben, den aber die UBS übernommen hat.

Diese vorteilhafte Ausgangslage für Khan sei dann auch der Grund eines wüsten Streits mit CS-Chef Tidjane Thiam gewesen. Verwaltungsratspäsident Urs Rohner hat anschliessend laut Bericht einen vorteilhaften Austrittsvertrag für Khan verhandelt. Es wird vermutet, dass Khan etwas gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber in der Hand hat, was ihm diese Vorteile verschafft hat.

Credit Suisse gibt Beschattung zu

Vergangene Woche wurde nun bekannt, dass Khan behauptet, von drei Männern beschattet worden sei. Nachdem Khan die Polizei alarmiert hatte, wurden die besagten drei Männer ausfindig gemacht und vorübergehend in Haft genommen. Ein Sprecher der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft bestätigte gegenüber «Inside Paradeplatz» die Eröffnung eines Strafverfahrens wegen Nötigung und Drohung.

Gegenüber der Polizei hat die Credit Suisse gemäss «SonntagsZeitung» nun zugegeben, dass sie Khan beschatten liess. Auch die E-Mails des ehemaligen Vermögensverwalters seien geprüft worden, offenbar, um herauszufinden, ob Khan Personal für die UBS abwerben will.

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