Aktualisiert 04.02.2004 17:39

Khans Geständnis

Der Begründer des pakistanischen Atomprogramms Abdul Qadeer Khan hat sich öffentlich dafür entschuldigt, geheime Nukleartechnologie an das Ausland weitergegeben zu haben. Auf der Strasse fordern Anhänger Khans seinen Schutz.

Abdul Qadeer Khan bat am Mittwoch in einer Fernsehansprache um Verzeihung für seine Taten. Zuvor übernahm er bereits in einem persönlichen Gespräch mit Präsident Pervez Musharraf die volle Verantwortung für sein Vorgehen, wie das staatliche Fernsehen berichtete. Khan habe dabei ein «Gnadengesuch» an Musharraf gestellt, hiess es im Bericht des Fernsehsenders PTV.

Über das Gnadengesuch werde das Kabinett am Donnerstag beraten, teilte ein hochrangiger Regierungsbeamter am Mittwochabend mit. Musharraf werde anschliessend gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten eine Entscheidung treffen.

Aus Geheimdienstkreisen verlautete, Khans Entschuldigung deute darauf hin, dass die Regierung ihn nicht zur Verantwortung ziehen wolle. Wahrscheinlich wolle die Regierung ein Verfahren gegen Khan vermeiden, weil dies peinliche Informationen über eine mögliche Mitwisserschaft hochrangiger Beamter und Militärs zu Tage fördern könnte. Khan hatte in seiner Ansprache betont, die Regierung habe von seinen Aktivitäten nichts gewusst. Dieser Verdacht war unter anderem laut geworden, weil Bauteile für Nuklearanlagen teilweise in Militärflugzeugen ins Ausland gebracht wurden.

Auch Oppositionsparteien erklärten, die Verantwortlichen für die Weitergabe von Nukleartechnologie seien auf einer höheren Ebene zu suchen. Die islamistische Partei Jamaat-e-Islami rief für den kommenden Freitag zu Protesten gegen die Behandlung Khans auf. Der Wissenschaftler wird in Pakistan als Volksheld verehrt, weil er die erste Atombombe der islamischen Welt schuf. Ein Sprecher der Jemaat-e-Islami warf der Regierung vor, Khan zu der Fernsehansprache gezwungen zu haben. Die Regierung müsse dem Parlament oder einem Gericht Beweise für seine Schuld und die seiner sechs verhafteten Mitarbeiter vorlegen.

Khan sagte dem PTV-Bericht zufolge, Musharraf habe sich ihm gegenüber «extrem freundlich und verständnisvoll» gezeigt. Der Präsident habe jedoch zugleich erklärt, die jüngsten Enthüllungen über die Weitergabe geheimer Atomtechnologie an Iran, Libyen und Nordkorea hätten ganz Pakistan schwer traumatisiert.

Khans Erklärung war seine erste öffentliche Stellungnahme seit Beginn der Ermittlungen gegen ihn vor mehr als zwei Monaten. Er war am Samstag seines Amtes enthoben worden und steht seitdem unter Hausarrest. Nach Angaben aus Regierungskreisen hatte er zuvor in einer schriftlichen Erklärung den eigenmächtigen Verkauf von Nukleartechnologie in den späten 80er und frühen 90er Jahren eingeräumt. Die Ermittlungen gegen Khan und seine Mitarbeiter wurden im November eingeleitet. Damals hatte Iran der Internationalen Atomenergiekommission (IAEA) Informationen über sein Nuklearprogramm übermittelt. (dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.